Waldenström-Purpura

Zuletzt geändert von Thomas Brinkmeier am 2026/08/16 18:51

Waldenström-Purpura

Syn: Hypergammaglobulinämische Purpura

Engl: Recurrent macular vasculitis in hypergammaglobulinemia

Def: Chronisch rezidivierende überwiegend kutane Immunkomplex vermittelte Kleingefäßvaskulitis bei persistierender Hypergammaglobulinämie, meist polyklonal

Histr: Erstbeschreibung durch Waldenström 1943 bei rezidivierender Purpura und Hypergammaglobulinämie

Vork: Selten, überwiegend Frauen mittleren Alters, häufig assoziiert mit systemischen Autoimmunerkrankungen

Gen: Keine monogene Ursache definiert, immunologische Dysregulation im Rahmen autoimmuner Erkrankungen prädisponierend

Ät: Persistierende Immunkomplexbildung bei erhöhter Immunglobulinkonzentration

Pg: Zirkulierende Immunkomplexe lagern sich in postkapillären Venolen ab, Aktivierung des klassischen Komplementwegs mit C1q Bindung, Verbrauch von C4 und C3, Bildung von C3a und C5a als Anaphylatoxine, neutrophile Rekrutierung, Freisetzung proteolytischer Enzyme und reaktiver Sauerstoffspezies mit leukozytoklastischer Gefäßwandschädigung

TF: Infektionen, Kälteeinwirkung, Aktivität der Grunderkrankung, physischer Stress

Etlg: Polyklonale Immunkomplex-Form, monoklonale Gammopathie assoziierte Form, autoimmune Sekundärform, kryoglobulinassoziierte Variante

KL: Symmetrische makulöse oder diskret palpable Purpura an den Unterschenkeln, chronisch rezidivierender Verlauf, selten milde systemische Begleitsymptome

Lok: Vorwiegend Unterschenkel

Di: Serumelektrophorese und Immunfixation zur Differenzierung polyklonal versus monoklonal, Komplementbestimmung mit möglichem C4 Abfall, Hautbiopsie mit leukozytoklastischer Vaskulitis, Direkte Immunfluoreszenz mit IgG und C3 Ablagerungen in Gefäßwänden

Lab: Erhöhtes Gesamt IgG mit polyklonalem Muster oder monoklonalem Spike, erniedrigtes C4 bei klassischer Komplementaktivierung, Autoantikörper je nach Grunderkrankung

Hi: Leukozytoklastische Vaskulitis kleiner Gefäße mit fibrinoider Nekrose, neutrophilen Infiltraten, Kernstaub und Erythrozytenextravasation

Ass: Sjögren Syndrom, systemischer Lupus erythematodes, rheumatoide Arthritis, monoklonale Gammopathie unklarer Signifikanz, selten Lymphom

So: Reine kutane Form ohne systemische Beteiligung

DD: IgA Vaskulitis mit dominanter IgA-Ablagerung, kryoglobulinämische Vaskulitis mit Raynaud Symptomatik und ausgeprägtem Komplementverbrauch, ANCA assoziierte Vaskulitiden ohne relevante Immunkomplexablagerung, thrombozytopenische Purpura

Prog: Meist gutartig chronisch rezidivierend, systemische Organbeteiligung selten, Prognose abhängig von Kontrolle der zugrunde liegenden Erkrankung

Prop: Kontrolle der Grunderkrankung, Vermeidung von Kälteexposition bei kryoglobulinassoziierter Variante, regelmäßige hämatologische Kontrollen bei monoklonaler Gammopathie

Th: Therapie der Grunderkrankung, topische Glukokortikoide bei milder kutaner Aktivität, systemische Glukokortikoide bei ausgeprägter Entzündung, Hydroxychloroquin bei autoimmuner Genese, Rituximab bei monoklonaler oder refraktärer Immunkomplexvaskulitis, Verlaufskontrolle von Ig-Spiegeln und Komplementparametern

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