Waldenström-Purpura
Waldenström-Purpura
Syn: Hypergammaglobulinämische Purpura
Engl: Recurrent macular vasculitis in hypergammaglobulinemia
Def: Chronisch rezidivierende überwiegend kutane Immunkomplex vermittelte Kleingefäßvaskulitis bei persistierender Hypergammaglobulinämie, meist polyklonal
Histr: Erstbeschreibung durch Waldenström 1943 bei rezidivierender Purpura und Hypergammaglobulinämie
Vork: Selten, überwiegend Frauen mittleren Alters, häufig assoziiert mit systemischen Autoimmunerkrankungen
Gen: Keine monogene Ursache definiert, immunologische Dysregulation im Rahmen autoimmuner Erkrankungen prädisponierend
Ät: Persistierende Immunkomplexbildung bei erhöhter Immunglobulinkonzentration
Pg: Zirkulierende Immunkomplexe lagern sich in postkapillären Venolen ab, Aktivierung des klassischen Komplementwegs mit C1q Bindung, Verbrauch von C4 und C3, Bildung von C3a und C5a als Anaphylatoxine, neutrophile Rekrutierung, Freisetzung proteolytischer Enzyme und reaktiver Sauerstoffspezies mit leukozytoklastischer Gefäßwandschädigung
TF: Infektionen, Kälteeinwirkung, Aktivität der Grunderkrankung, physischer Stress
Etlg: Polyklonale Immunkomplex-Form, monoklonale Gammopathie assoziierte Form, autoimmune Sekundärform, kryoglobulinassoziierte Variante
KL: Symmetrische makulöse oder diskret palpable Purpura an den Unterschenkeln, chronisch rezidivierender Verlauf, selten milde systemische Begleitsymptome
Lok: Vorwiegend Unterschenkel
Di: Serumelektrophorese und Immunfixation zur Differenzierung polyklonal versus monoklonal, Komplementbestimmung mit möglichem C4 Abfall, Hautbiopsie mit leukozytoklastischer Vaskulitis, Direkte Immunfluoreszenz mit IgG und C3 Ablagerungen in Gefäßwänden
Lab: Erhöhtes Gesamt IgG mit polyklonalem Muster oder monoklonalem Spike, erniedrigtes C4 bei klassischer Komplementaktivierung, Autoantikörper je nach Grunderkrankung
Hi: Leukozytoklastische Vaskulitis kleiner Gefäße mit fibrinoider Nekrose, neutrophilen Infiltraten, Kernstaub und Erythrozytenextravasation
Ass: Sjögren Syndrom, systemischer Lupus erythematodes, rheumatoide Arthritis, monoklonale Gammopathie unklarer Signifikanz, selten Lymphom
So: Reine kutane Form ohne systemische Beteiligung
DD: IgA Vaskulitis mit dominanter IgA-Ablagerung, kryoglobulinämische Vaskulitis mit Raynaud Symptomatik und ausgeprägtem Komplementverbrauch, ANCA assoziierte Vaskulitiden ohne relevante Immunkomplexablagerung, thrombozytopenische Purpura
Prog: Meist gutartig chronisch rezidivierend, systemische Organbeteiligung selten, Prognose abhängig von Kontrolle der zugrunde liegenden Erkrankung
Prop: Kontrolle der Grunderkrankung, Vermeidung von Kälteexposition bei kryoglobulinassoziierter Variante, regelmäßige hämatologische Kontrollen bei monoklonaler Gammopathie
Th: Therapie der Grunderkrankung, topische Glukokortikoide bei milder kutaner Aktivität, systemische Glukokortikoide bei ausgeprägter Entzündung, Hydroxychloroquin bei autoimmuner Genese, Rituximab bei monoklonaler oder refraktärer Immunkomplexvaskulitis, Verlaufskontrolle von Ig-Spiegeln und Komplementparametern