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Zuletzt geändert von Administrator am 2025/12/23 13:40

Okt. 17 2026

Fixes Arzneimittelexanthem am männlichen Genitale: häufig isoliert und oft mit sexuell übertragbaren Infektionen verwechselt (NEWSBLOG 2026)

Das fixe Arzneimittelexanthem (Fixed Drug Eruption, FDE) ist durch umschriebene Haut- oder Schleimhautläsionen charakterisiert, die nach erneuter Einnahme des auslösenden Arzneimittels typischerweise an derselben Stelle rezidivieren. Das männliche Genitale gehört zu den häufigeren Schleimhautlokalisationen, dennoch kann die Manifestation diagnostisch insbesondere mit sexuell übertragbaren Infektionen verwechselt werden. Eine systematische Übersichtsarbeit fasste erstmals die publizierten Daten zum genitalen FDE bei Männern umfassend zusammen. 

Aus 70 Publikationen wurden 262 erwachsene Patienten ausgewertet. Das gewichtete mediane Alter betrug 35,5 Jahre. Mit 72,9 % war die Glans penis die mit Abstand häufigste Lokalisation, gefolgt von Penisschaft (17,6 %), Präputium (12,2 %) und Skrotum (4,2 %). Klinisch dominierte ein Erythem (85,9 %); Erosionen wurden bei 36,3 %, Blasen bei 26,7 % und eine postinflammatorische Pigmentierung bei 26,2 % beschrieben. Besonders relevant für die Differenzialdiagnostik: Bei 79 % der Patienten war ausschließlich das Genitale betroffen. Bei zusätzlicher extragenitaler Manifestation war die Mundschleimhaut am häufigsten beteiligt.

Bei 93,1 % ließ sich ein auslösendes Arzneimittel identifizieren. An erster Stelle stand Trimethoprim/Sulfamethoxazol mit 27,9 %, gefolgt von Tetrazyklinen mit 20,9 % und nichtsteroidalen Antirheumatika mit 12,3 %. Die gewichtete mediane Latenz bis zum Auftreten der Läsionen betrug 48 Stunden. In 56,1 % der Fälle beruhte die Diagnose ausschließlich auf der klinischen Anamnese; wenn eine weiterführende allergologische Abklärung erfolgte, wurde am häufigsten eine orale Provokation eingesetzt.

Für die Praxis ist insbesondere die Kombination aus umschriebener genitaler Läsion, zeitlichem Zusammenhang mit einer Arzneimitteleinnahme und Rezidiv an identischer Lokalisation wegweisend. Die systematische Medikamentenanamnese kann unnötige infektiologische Diagnostik vermeiden und ist entscheidend, um durch konsequente Meidung des Auslösers weitere Rezidive zu verhindern.

Quelle:
Clin Exp Dermatol. 2026 Jun 26. http://doi.org/10.1093/ced/llag275
Male genital fixed drug eruption: a systematic review.
Salle R, Marcellier G, Duong TA, Dauendorffer JN.

Okt. 16 2026

Repigmentierung weißer Haare als ungewöhnliches Zeichen eines Melanoms (NEWSBLOG 2026)

Eine umschriebene Repigmentierung zuvor ergrauter oder weißer Haare kann in seltenen Fällen auf eine darunterliegende melanozytäre Neoplasie hinweisen. Ein aktueller Fallbericht beschreibt diese ungewöhnliche klinische Manifestation bei einem Lentigo-maligna-Melanom der Kopfhaut. Ein 78-jähriger Mann stellte sich mit einem umschriebenen Areal brauner Haare am Vertex innerhalb seiner ansonsten weißen Kopfbehaarung vor. Bemerkenswert war die Anamnese: Der betreffende Bereich der Kopfhaut war im Kindesalter wegen einer Tinea capitis radiotherapeutisch behandelt worden – ein früher gebräuchliches Verfahren, das mit einer erheblichen Strahlenexposition der Kopfhaut verbunden war. Die initiale histopathologische Untersuchung ergab eine Lentigo maligna, woraufhin die Läsion operativ entfernt und der Defekt mittels Spalthauttransplantation gedeckt wurde. Bei der histologischen Aufarbeitung des gesamten Exzidats wurde zusätzlich eine invasive Melanomkomponente nachgewiesen. Die Beobachtung unterstreicht ein seltenes, aber diagnostisch relevantes klinisches Zeichen. Melanomzellen beziehungsweise atypische Melanozyten können follikuläre Strukturen einbeziehen und mit einer erneuten Pigmentierung zuvor weißer Haare einhergehen. Eine neu auftretende, umschriebene Repigmentierung grauer oder weißer Haare sollte deshalb insbesondere bei älteren Patienten und an chronisch lichtgeschädigter Kopfhaut Anlass zu einer sorgfältigen Untersuchung der zugrunde liegenden Haut geben. Zusätzlich weist der Fall auf die historische Bestrahlung der Kopfhaut als möglichen onkologischen Risikofaktor hin. Aufgrund des Einzelfallcharakters lässt sich allerdings kein kausaler Zusammenhang zwischen der früheren Radiotherapie und dem späteren Melanom ableiten.

Quelle:
Australas J Dermatol. 2026 Jun 2. http://doi.org/10.1111/ajd.70146
A Case of Lentigo Maligna Presenting as Repigmentation of Hair in a Scalp That Previously Underwent Radiotherapy for Tinea Capitis.
Kelly ML, Low K, Miller RM.

Okt. 15 2026

Spindelzelliges Plattenepithelkarzinom in einer Brandnarbe kann Granulationsgewebe vortäuschen (NEWSBLOG 2026)

Das spindelzellige Plattenepithelkarzinom (SCSCC) der Haut ist eine seltene Variante des kutanen Plattenepithelkarzinoms, die histologisch andere spindelzellige Neoplasien imitieren kann. Ein aktueller Fallbericht zeigt eine diagnostisch besonders problematische Variante mit auffallend blander, granulationsgewebeähnlicher Morphologie. Beschrieben wird eine 66-jährige Frau mit einer 3,5 × 2,7 cm großen ulzerierten Raumforderung des Oberarms, die sich innerhalb einer alten Brandnarbe entwickelt hatte. In der initialen Stanzbiopsie zeigte sich eine relativ bland erscheinende, jedoch fokal atypische Spindelzellproliferation mit schlitzförmigen pseudovaskulären Räumen. Das Bild erinnerte zunächst an reaktives Granulationsgewebe. Aufgrund der klinischen Konstellation mit ulzeriertem Tumor innerhalb einer chronischen Narbe wurde die Diagnostik immunhistochemisch erweitert. Die Spindelzellen zeigten eine diffuse Expression von CK5 und p40 sowie eine p53-Überexpression und stützten damit die Diagnose eines SCSCC. Das spätere Exzisionspräparat verdeutlichte die ausgeprägte morphologische Heterogenität des Tumors. Neben konventionellen Anteilen eines Plattenepithelkarzinoms fanden sich unterschiedliche spindelzellige Komponenten: ausgesprochen blandes granulationsgewebeähnliches Tumorgewebe ebenso wie myxoide Areale und Abschnitte mit deutlich erkennbarer zytologischer Atypie. Der Fall illustriert eine relevante dermatopathologische Falle: Insbesondere in kleinen Stanzbiopsien kann ein spindelzelliges Plattenepithelkarzinom aufgrund seiner blanden Morphologie als reaktives Granulationsgewebe fehlinterpretiert werden. Bei einer persistierenden oder ulzerierten Läsion innerhalb einer chronischen Narbe sollte deshalb auch bei scheinbar unspezifischer Spindelzellproliferation an ein Karzinom gedacht und bei entsprechender Konstellation eine immunhistochemische Abklärung mit epithelialen beziehungsweise plattenepithelialen Markern vorgenommen werden.

Quelle:
Am J Dermatopathol. 2026 Jun 2. http://doi.org/10.1097/DAD.0000000000003333
Granulation Tissue-Like Spindle Cell Squamous Cell Carcinoma of the Skin Arising in a Burn Scar.
Nguyen TT, Otsuki S, Ito H, Fujimoto M, Irie H, Hirata M, Haga H.

Okt. 14 2026

Desmoplastisches Trichilemmom: CD34 und BerEP4 erleichtern die Abgrenzung vom Basalzellkarzinom (NEWSBLOG 2026)

Das desmoplastische Trichilemmom (DTM) ist eine seltene benigne Variante des Trichilemmoms, die histopathologisch erhebliche diagnostische Schwierigkeiten bereiten kann. Insbesondere das Basalzellkarzinom (BCC) stellt aufgrund überlappender morphologischer Merkmale eine wichtige Differenzialdiagnose dar. Eine aktuelle Arbeit kombiniert zwei neue Fälle mit einer systematischen Literaturübersicht und analysiert die diagnostische Bedeutung von CD34 und BerEP4. Insgesamt konnten einschließlich der beiden neuen Fälle 94 DTM ausgewertet werden. Klinisch handelt es sich typischerweise um solitäre Läsionen älterer Patienten mit Prädilektion für Kopf und Hals. Seltene Lokalisationen wurden unter anderem an Thorax, Vulva und unteren Extremitäten beschrieben. Histologisch können das lobuläre beziehungsweise strangförmige Wachstum, die periphere Palisadenstellung und insbesondere das desmoplastische Stroma ein BCC vortäuschen. In den beiden neu beschriebenen Fällen waren die Tumorzellen CD34-positiv und BerEP4-negativ. In der zusammengeführten Literatur fanden sich acht DTM mit der Kombination CD34-positiv/BerEP4-negativ sowie weitere zehn CD34-positive Fälle. Die Autoren schlagen deshalb die kombinierte Beurteilung beider Marker als diagnostische Hilfestellung vor: CD34-Expression bei fehlender BerEP4-Expression unterstützt bei entsprechender Morphologie die Diagnose eines DTM gegenüber einem BCC. Die Immunhistochemie ist dabei nicht isoliert zu interpretieren, sondern im Kontext der charakteristischen Histomorphologie. Die korrekte Abgrenzung ist klinisch relevant, da das DTM eine benigne Neoplasie darstellt und eine Fehldiagnose als BCC zu unnötig aggressiver Therapie führen kann. Die vergleichsweise geringe Zahl immunhistochemisch vollständig charakterisierter Fälle begrenzt allerdings die Evidenz für die vorgeschlagene Marker-Kombination.

Quelle:
Am J Dermatopathol. 2026 May 20. http://doi.org/10.1097/DAD.0000000000003322
Desmoplastic Trichilemmoma Mimicking Basal Cell Carcinoma: Two New Cases, Systematic Review of 92 Cases and Dual Staining Diagnostic Approach.
Abdelhammed MH, Yu H, Ramani NS.

Okt. 13 2026

Valaciclovir bei Hand-Fuß-Mund-Krankheit: rasche Abheilung in einem Fallbericht (NEWSBLOG 2026)

Die Hand-Fuß-Mund-Krankheit (HFMD) ist eine vor allem durch Enteroviren verursachte Infektionskrankheit, die überwiegend Kinder unter fünf Jahren betrifft, jedoch auch bei Erwachsenen auftreten kann. Die Erkrankung verläuft meist selbstlimitierend, eine etablierte spezifische antivirale Therapie steht bislang nicht zur Verfügung. Die Behandlung erfolgt daher in der Regel symptomatisch. Ein aktueller Fallbericht beschreibt eine ansonsten gesunde 39-jährige Frau mit HFMD, die off-label mit Valaciclovir behandelt wurde. Bereits innerhalb von zehn Stunden nach Therapiebeginn kam es zu einer ausgeprägten symptomatischen Besserung; innerhalb von 48 Stunden bildeten sich die Beschwerden vollständig zurück. Frühere Einzelfallberichte hatten bereits einen möglichen therapeutischen Effekt von Aciclovir bei HFMD beschrieben. Die Beobachtung ist pharmakologisch bemerkenswert, sollte jedoch sehr zurückhaltend interpretiert werden. Die typischen HFMD-Erreger gehören zu den Enteroviren und damit zu den RNA-Viren, während Aciclovir und Valaciclovir ihre etablierte antivirale Wirkung insbesondere gegenüber Herpesviren durch Hemmung der viralen DNA-Polymerase entfalten. Zudem lässt sich bei einer spontan abheilenden Erkrankung anhand eines einzelnen Patienten nicht feststellen, ob die schnelle Besserung tatsächlich durch Valaciclovir verursacht wurde. Der Bericht liefert daher ein interessantes klinisches Signal, aber keinen Wirksamkeitsnachweis und derzeit keine Grundlage für eine routinemäßige Valaciclovir-Therapie der HFMD. Kontrollierte Untersuchungen wären erforderlich, um einen möglichen Effekt und dessen Mechanismus zu klären.

Quelle:
J Drugs Dermatol. 2026;25(6):562-564. http://doi.org/10.36849/JDD.9394
Resolution of Hand, Foot, and Mouth Disease With Valacyclovir.
Nusrat F, Neubauer Z, Yang S.

Okt. 12 2026

LC-OCT bei mammärem und extramammärem Morbus Paget: nichtinvasive Darstellung von Paget-Zellen in vivo (NEWSBLOG 2026)

Der mammäre und extramammäre Morbus Paget kann aufgrund seines klinisch häufig unspezifischen, ekzematösen Erscheinungsbildes mit benignen entzündlichen Dermatosen verwechselt werden. Die Line-field Confocal Optical Coherence Tomography (LC-OCT) ermöglicht eine nichtinvasive Echtzeitdarstellung der Haut mit annähernd histologischer Auflösung und könnte die Diagnostik dieser seltenen intraepidermalen Adenokarzinome ergänzen. In einer retrospektiven Fallserie wurden vier Patienten mit histologisch gesichertem mammärem beziehungsweise extramammärem Morbus Paget vor der Biopsie mittels LC-OCT untersucht und die Befunde mit vertikalen und horizontalen histopathologischen Schnitten korreliert. In beiden Formen ließen sich mittels LC-OCT sowohl intraepidermale Zellverbände als auch einzelne hyporeflektive Paget-Zellen erkennen, die den entsprechenden histopathologischen Veränderungen zugeordnet werden konnten. Die Möglichkeit, verdächtige Areale in vivo dreidimensional beziehungsweise in unterschiedlichen Schnittebenen zu beurteilen, könnte insbesondere bei der Auswahl einer repräsentativen Biopsiestelle hilfreich sein. Darüber hinaus sehen die Autoren potenzielle Einsatzgebiete bei der präoperativen Beurteilung der lateralen Tumorausdehnung und bei Verlaufskontrollen nach nichtchirurgischer Therapie. LC-OCT ist damit ein interessantes ergänzendes diagnostisches Verfahren, ersetzt jedoch die histopathologische Sicherung des Morbus Paget derzeit nicht. Aufgrund der extrem kleinen Fallserie von nur vier Patienten können insbesondere Sensitivität, Spezifität und Zuverlässigkeit der Abgrenzung gegenüber entzündlichen oder neoplastischen Differenzialdiagnosen nicht beurteilt werden. Größere prospektive Studien sind erforderlich, bevor der Stellenwert der LC-OCT für Diagnostik, Mapping und Therapiekontrolle des Morbus Paget definiert werden kann.

Quelle:
Am J Dermatopathol. 2026 Jun 24. http://doi.org/10.1097/DAD.0000000000003359
Diagnostic Usefulness of LC-OCT in Mammary and Extramammary Paget Disease and Correlation With Vertical and Horizontal Histopathology: A Case Series.
Broggi G, Laudani F, Failla M, Caltabiano R, Lacarrubba F, Micali G, Verzì AE.

Okt. 11 2026

Amitriptylin-Tropfen beim Burning-Mouth-Syndrom: deutliche Linderung in kleiner Fallserie (NEWSBLOG 2026)

Das Burning-Mouth-Syndrom (BMS) ist ein chronisches neuropathisches Schmerzsyndrom der Mundschleimhaut, das insbesondere postmenopausale Frauen betrifft und therapeutisch schwierig sein kann. Eine retrospektive Fallserie untersuchte 13 postmenopausale Frauen mit primärem BMS, die niedrig dosiertes Amitriptylin in Form oraler Tropfen erhielten. Die flüssige Darreichungsform ermöglichte eine individuelle Titration bis zur jeweils niedrigsten wirksamen Dosis. Zu Beginn lag die mittlere Schmerzintensität auf der visuellen Analogskala (VAS) bei 7,4 und der Dermatology Life Quality Index (DLQI) bei 13,8. Während einer Nachbeobachtung von sechs bis zwölf Monaten erreichten 12 von 13 Patientinnen (92,3 %) eine klinisch relevante Besserung: Bei sechs kam es zu einer vollständigen Remission, weitere sechs erreichten eine Schmerzreduktion von mindestens 50 %. Die mittlere VAS sank auf 1,7 und der mittlere DLQI auf 3,2. Eine symptomatische Besserung setzte typischerweise innerhalb von zwei bis vier Wochen nach Erreichen der individuell wirksamen Dosis ein und blieb im weiteren Verlauf erhalten. Die Ergebnisse sprechen dafür, dass niedrig dosiertes Amitriptylin mit vorsichtiger individueller Titration eine interessante Option beim therapierefraktären primären BMS sein kann. Die Aussagekraft ist jedoch aufgrund des retrospektiven Designs, der sehr kleinen Fallzahl und des Fehlens einer Kontrollgruppe erheblich eingeschränkt; insbesondere lassen sich Placeboeffekte und der natürliche Krankheitsverlauf nicht sicher abgrenzen. Kontrollierte Studien sind erforderlich, um Wirksamkeit, optimale Dosierung und Langzeitsicherheit dieser Strategie belastbar zu bestimmen.

Quelle:
J Dtsch Dermatol Ges. 2026 Jun 11. http://doi.org/10.1111/ddg.70392
Amitriptyline oral drops for the treatment of burning mouth syndrome: a case series of 13 patients.
Licata G, Caccavale S, Arisi M, Ariasi C, Giorgio CM.

Okt. 10 2026

Schmale Exzisionsränder bei atypischen Spitz-Tumoren im Kindesalter mit niedriger chirurgischer Morbidität (NEWSBLOG 2026)

Atypische Spitz-Tumoren (AST) sind biologisch heterogene melanozytäre Tumoren intermediärer Dignität, deren Abgrenzung von benignen Spitz-Nävi und spitzoiden Melanomen insbesondere im Kindesalter eine diagnostische Herausforderung darstellen kann. Während aktuelle Expertenempfehlungen eine zurückhaltende chirurgische Strategie mit schmalen Exzisionsrändern unterstützen, sind klinische Verlaufsdaten bislang begrenzt. Eine retrospektive Untersuchung des Children’s Wisconsin analysierte 43 Patienten unter 18 Jahren mit chirurgisch behandelten AST; das mittlere Alter bei Diagnose betrug 7,4 Jahre und die mittlere Nachbeobachtungszeit 53,3 Monate. Bei 37 Patienten (86,0 %) erfolgte eine schmale Exzision mit einem Sicherheitsabstand von höchstens 3 mm und einem mittleren Rand von 2,1 mm, während sechs Patienten mit durchschnittlich 6,0 mm weiter exzidiert wurden. Nach schmaler Exzision war bei vier Patienten (10,8 %) eine Nachexzision erforderlich, darunter bei einem Patienten aufgrund eines klinischen Rezidivs. Lokale oder distante Metastasen sowie Todesfälle wurden während der Nachbeobachtung nicht beobachtet. Besonders auffällig war der Unterschied bei der chirurgischen Morbidität: Komplikationen traten bei 5,4 % nach schmaler gegenüber 50 % nach weiter Exzision auf, wobei die sehr geringe Zahl von nur sechs Patienten in der letztgenannten Gruppe eine vorsichtige Interpretation erfordert. Die Ergebnisse unterstützen damit eine gewebeschonende Exzision pädiatrischer AST und stehen im Einklang mit aktuellen Konsensempfehlungen. Sie belegen jedoch nicht die onkologische Gleichwertigkeit unterschiedlicher Sicherheitsabstände: Das retrospektive Single-Center-Design, die kleine Kohorte, fehlende Randomisierung und die begrenzte Nachbeobachtungsdauer schließen seltene oder spät auftretende ungünstige Verläufe nicht aus. Voraussetzung für eine zurückhaltende chirurgische Strategie bleibt zudem eine sorgfältige dermatopathologische Einordnung, bei diagnostisch schwierigen spitzoiden Tumoren gegebenenfalls ergänzt durch molekulare Untersuchungen.

Quelle:
Pediatr Dermatol. 2026 Jun 14. http://doi.org/10.1111/pde.70262
Narrow-Margin Excision of Atypical Spitz Tumors: A Single-Center Retrospective Review.
Barry KK, Han MM, Humphrey SR, Young KE, Carlberg VM.

Okt. 09 2026

Dreifachtherapie mit Natriumthiosulfat, Iloprost und Antikoagulation bei Kalziphylaxie (NEWSBLOG 2026)

Die Kalziphylaxie ist eine seltene, mit hoher Mortalität verbundene Erkrankung, bei der die Okklusion kleiner kutaner und subkutaner Gefäße zu ausgeprägten Schmerzen, Ulzerationen und Gewebsnekrosen führt. Da eine etablierte spezifische Therapie fehlt, werden multimodale Behandlungskonzepte eingesetzt. Eine retrospektive Analyse des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf untersuchte 19 zwischen 2019 und 2023 behandelte Patienten mit einem mittleren Alter von 67,8 Jahren. Bei 63 % kam eine Dreifachtherapie aus Natriumthiosulfat, dem Prostacyclin-Analogon Iloprost und Antikoagulation mit niedermolekularem Heparin zum Einsatz. Natriumthiosulfat wird unter anderem aufgrund möglicher Effekte auf Kalziumablagerungen und oxidativen Stress eingesetzt, während Iloprost durch Vasodilatation und Verbesserung der Mikrozirkulation sowie die Antikoagulation durch Reduktion thrombotischer Gefäßverschlüsse unterschiedliche Komponenten der komplexen Pathophysiologie adressieren sollen. Unter den zwölf Patienten, die mindestens zwei Behandlungszyklen erhielten, wurde bei 75 % eine vollständige Abheilung und bei 25 % eine partielle Besserung dokumentiert. Bis zur Abheilung waren im Median drei Behandlungszyklen erforderlich; eine vollständige Schmerzfreiheit wurde im Median nach 2,5 Zyklen erreicht. Die Ergebnisse sprechen für ein mögliches therapeutisches Potenzial dieses multimodalen Ansatzes und sind angesichts der therapeutisch schwierigen und prognostisch ungünstigen Erkrankung bemerkenswert. Die Aussagekraft bleibt jedoch aufgrund des retrospektiven Designs, der sehr kleinen und selektierten Kohorte sowie des Fehlens einer Kontrollgruppe deutlich eingeschränkt. Insbesondere lässt sich nicht bestimmen, welchen Anteil die einzelnen Komponenten am Behandlungserfolg hatten oder ob die Dreifachtherapie etablierten multimodalen Strategien überlegen ist. Prospektive Untersuchungen sind erforderlich, bevor daraus ein standardisiertes Behandlungskonzept für die Kalziphylaxie abgeleitet werden kann.

Quelle:
J Dtsch Dermatol Ges. 2026 Jun 11. http://doi.org/10.1111/ddg.70323
Triple therapy for calciphylaxis: A retrospective analysis of sodium thiosulfate, iloprost, and anticoagulation.
Piepke L, Hansen-Abeck I, Abeck F, Doll P, Schneider SW.

Okt. 08 2026

Botulinumtoxin A bei Akne und Aknenarben: systematischer Review zeigt mögliche Wirksamkeit (NEWSBLOG 2026)

Botulinumtoxin A wird zunehmend auch für dermatologische Indikationen außerhalb der klassischen neuromuskulären Anwendung untersucht. Ein aktueller systematischer Review analysierte die verfügbare Evidenz zur Behandlung von Acne vulgaris und Aknenarben. Eingeschlossen wurden 14 Publikationen mit insgesamt 436 Patienten, davon jeweils 218 mit aktiver Akne beziehungsweise Aknenarben. Bei der Acne vulgaris zeigte sich nach Botulinumtoxin-Behandlung bei der Mehrzahl der Patienten über etwa drei bis sechs Monate eine Besserung, die unter anderem anhand von Sebumetermessungen, Porenzahl und Patientenzufriedenheit erfasst wurde. Neben einer verminderten Talgproduktion wurde auch eine Reduktion entzündlicher Akneläsionen beschrieben. Als möglicher Wirkmechanismus wird insbesondere eine cholinerge Modulation der Talgdrüsenaktivität diskutiert. Auch bei Aknenarben berichteten die eingeschlossenen Studien über Verbesserungen, sowohl unter Botulinumtoxin als Monotherapie als auch in Kombination mit anderen Verfahren, bei überwiegend hoher Patientenzufriedenheit. Denkbar ist hier neben einer Beeinflussung der dermalen Remodellierung insbesondere eine Reduktion muskulärer Zugkräfte auf Narbenareale. Trotz der insgesamt positiven Ergebnisse bleibt die Evidenz begrenzt: Die eingeschlossenen Arbeiten unterscheiden sich hinsichtlich Applikationstechnik, Dosierung, Endpunkten und Kombinationstherapien, sodass sich weder ein standardisiertes Behandlungsschema noch die relative Wirksamkeit gegenüber etablierten Akne- und Narbentherapien ableiten lässt. Botulinumtoxin A ist daher derzeit eher als experimentelle beziehungsweise ergänzende Therapieoption einzuordnen und nicht als Ersatz für etablierte Behandlungsverfahren.

Quelle:
J Drugs Dermatol. 2026;25(6):508-512. http://doi.org/10.36849/JDD.9562
Treating Acne Vulgaris and Scarring With Botulinum Toxin: A Systematic Review.
Igiede J, Sulejmani P, Vassiliev N, Cruz JB.

Erstellt von Administrator am 2005/01/28 16:50
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