Extrinsische Hautalterung (NEWSBLOG)

Die extrinsische Alterung ist auf umweltexponierte Hautstellen wie das Gesicht, die Handrücken oder den Hals beschränkt. Die klinischen Merkmale, die die intrinsische Hautalterung charakterisieren, sind feine Linien, Xerose und Schlaffheit, während die Kennzeichen der extrinsisch gealterten Haut grobe Falten, unregelmäßige Pigmentierung und Lentigines sind. Das Hautalterungs-Exposom wurde als die Gesamtheit aller nichtgenetischen Faktoren definiert, die zur extrinsischen Hautalterung beitragen. Der Begriff Photoaging wird seit Jahrzehnten synonym mit extrinsischer Hautalterung verwendet und unterstreicht damit vor allem die Bedeutung der solaren UV-Strahlung. (Neben den UV-Strahen sollen auch Wellenlängenbereiche des sichtbaren Lichts, und zwar insbesondere dessen Blaulichtanteil, die Hautpigmentierung deutlich beeinflussen können.) Sowohl UVB- (290-315 nm) als auch UVA-Strahlen (315-400 nm) tragen zur extrinsischen Hautalterung bei; und der längerwellige Teil von UVA, d. h. UVA1 (340-400 nm), könnte von besonderer Bedeutung sein, da er tief in die menschliche Haut eindringt und direkte Wirkungen auf der Ebene der dermalen Fibroblasten ausübt. UV-Strahlung reduziert die laufende Kollagensynthese, indem sie die Prokollagen-Gene vom Typ I und Typ III herunterreguliert. Darüber hinaus resultiert ein erhöhter Kollagenabbau aus der UV-induzierten Expression und Aktivität von drei Matrix-Metalloproteinasen (MMPs) – interstitielle Kollagenase (MMP-1), Stromyelisin (MMP-3) und 92-kDa-Gelatinase (MMP-9) – welche die Folge einer durch oxidativen Stress vermittelten Aktivierung von Transkriptionsfaktoren, einschließlich AP-1 und NF-kB, sind. Darüber hinaus hemmen verkürzte Kollagenmoleküle, die auf dermale Fibroblasten eine negative Rückkopplung bewirken, deren Fähigkeit, Hyaluronsäure neu zu synthetisieren. Schließlich sollen auch Wellenlängen des natürlichen Sonnenlichts, also jenseits des UV-Spektrums, nämlich insbesondere die Nah-Infrarotstrahlung (IRA) (770-1.400 nm), tief in die menschliche Haut eindringen und zum Abbau von Kollagen führen können. Die Dermis ist besonders anfällig für die Hautalterung, da sie ein postmitotisches Gewebe darstellt, das aus Fibroblasten besteht und für die Homöostase auf Anpassung und Schadensreparatur angewiesen ist. Im Gegensatz dazu ist die Epidermis in der Lage, umweltbedingte Schäden zu beseitigen, indem sie ständig terminal differenzierte Keratinozyten absondert. Auf zellulärer Ebene scheint die Schädigung von DNA-Molekülen in den Mitochondrien dermaler Fibroblasten von besonderer Relevanz zu sein. Neben der Dermis ist die mtDNA-Mutagenese in dermalen Fibroblasten auch für die extrinsische Alterung anderer Hautkompartimente einschließlich der Subkutis relevant. Diesbezüglich wurde z. B. publiziert, dass die Akkumulation von UV-induzierbaren mtDNA-Mutationen in dermalen Fibroblasten mit dem Verlust von subkutanem Fett einhergeht.

Zu den Luftschadstoffen, die mit der extrinsischen Hautalterung in Verbindung gebracht werden, gehören verkehrsbedingter Feinstaub und Ruß (z. B. Dieselabgaspartikel), aber auch Gase wie Stickstoffdioxid (NO2) und bodennahes Ozon. Bemerkenswert ist, dass Zigarettenrauch mehr als 3.800 verschiedene chemische Stoffe enthält, von denen zum Beispiel auch polyaromatische Kohlenwasserstoffe in Luftschadstoffen enthalten sind. Die Beobachtung, dass unterschiedliche Expositionsfaktoren zu demselben extrinsischen Hautalterungsmerkmal beitragen können, wirft die Frage nach ihrer relativen Bedeutung auf. In diesem Zusammenhang war z. B. die solare UV-Strahlung für die Entstehung von Gesichtsfalten signifikant wichtiger als die Luftverschmutzung; aber beide Faktoren trugen in ähnlicher Weise zur Entwicklung facialer Lentigines bei.

Quelle:

J Invest Dermatol. 2021 Apr;141(4S):1096-1103. http://doi.org/10.1016/j.jid.2020.12.011.

Environmentally-Induced (Extrinsic) Skin Aging: Exposomal Factors and Underlying Mechanisms.

Krutmann J, Schikowski T, Morita A, Berneburg M.

Lizenz: http://creativecommons.org/licenses/by/4.0/

Sep 21 2021

Nicotinamid versus Acitretin zur Chemoprävention (NEWSBLOG)

In einer Metaanalyse wurde die vergleichbare Wirksamkeit von Acitretin zu Nicotinamid bei der Chemoprophylaxe von nicht-melanozytärem Hautkrebs (NMSC) bei Empfängern von Organtransplantationen bestätigt. Die unten zitierte Publikation hebt die Vorteile von Nicotinamid 2x500 mg bei Hochrisikopatienten hervor, weil diese Substanz relativ günstig und in üblicher Dosierung sehr nebenwirkungsarm ist, ferner kein Labor-Monitoring erforderlich macht und nicht rezeptpflichtig ist. Eine Chemoprophylaxe wird empfohlen, wenn ein Patient in einem Jahr mindestens 2 NMSC hatte oder anamnestisch über mindestens 5 NMSC berichtet.

Quelle:

Int J Dermatol. 2021 Jun;60(6):749-750. http://doi.org/10.1111/ijd.15442

Is the first-line systemic chemoprevention of nonmelanoma skin cancer nicotinamide or acitretin?

Hoegler KM, Khachemoune A.

Sep 18 2021

Propanolol versus Timolol beim Kaposi-Sarkom (NEWSBLOG)

In dieser Studie applizierten zwölf HIV-negative Patienten mit kutanem Kaposi-Sarkom an den Unterschenkeln und Füßen zweimal täglich über 12 Wochen einen Beta-Blocker topisch (Timolol 0,5% Gel versus Propanolol 2% Creme). Mit Propranolol wurden hervorragende Ergebnisse erzielt (vollständige Rückbildung bei 5 von 6 Patienten nach 6-monatiger Nachbeobachtung). Als Hypothese für die Überlegenheit von Propanolol wird angenommen, dass diese Substanz neben der Hemmung beta-adrenerger Signale auch die Proliferation von virusinfizierten Tumorzellen hemmt.

Quelle:

Int J Dermatol. 2021 May;60(5):631-633. http://doi.org/10.1111/ijd.15407.

Comparison between propranolol 2% cream versus timolol 0.5% gel for the treatment of Kaposi sarcoma.

Giorgio CMR, Licata G, Briatico G, Babino G, Fulgione E, Gambardella A, Alfano R, Argenziano G.

Sep 15 2021

Fumarsäure niedrig dosiert bei kutaner Sarkoidose (NEWSBLOG)

Fumarsäureester führen zu einer Verringerung der Zellfusion und zur Hemmung der Riesenzellbildung in vitro, was ein Grund für die therapeutische Fumarsäureester-Wirkung auf kutane Läsionen granulomatöser Erkrankungen sein könnte. Eine Arbeitsgruppe berichtete, dass eine erfolgreiche Therapie der Hautveränderungen einer therapieresistenten systemischen Sarkoidose mit Fumaderm® (Biogen, München, Deutschland; 360–720 mg/Tag Dimethylfumarat) aufgrund einer Lymphozytopenie abgebrochen werden musste. Aus diesem Grund wurden 2 weitere Patienten mit dem niedrig dosierten Fumaderm® initial (90 mg/Tag Dimethylfumarat) behandelt, worunter eine partielle Remission der kutanen Sarkoidose während mindestens 18 Behandlungsmonaten ohne Entwicklung einer Lymphozytopenie beobachtet werden konnte.

Quelle:

Hautarzt. 2021 Feb 17. http://doi.org/10.1007/s00105-021-04766-9.

Low-dose, long-term fumaric acid esters in recalcitrant cutaneous sarcoidosis: Report of two cases.

Zouboulis CC.

Sep 12 2021

Desmoplastische Melanome (NEWSBLOG)

Desmoplastische Melanome sind selten (1-4% aller primär kutanen Melanome mit Prädilektion für den Kopf-Hals-Bereich). Ihr biologisches Verhalten unterscheidet sich von dem anderer Melanom-Subtypen; daher sind Leitlinien-Empfehlungen für nicht-desmoplastische Melanome mutmaßlich nicht direkt übertragbar. Im Vergleich zu anderen Melanom-Subtypen weisen Patienten mit „reinen“ desmoplastischen Melanomen (bei denen ≥ 90% der invasiven Melanom-Anteile vom Subtyp des desmoplastischen Melanoms sind) eine viel geringere Rate an Sentinel-Node-Positivität und Fernmetastasierung auf. Im Vergleich zu Fällen mit superfiziell spreitendem Melanom ist das melanomspezifische Überleben beim reinen desmoplastischen Melanom signifikant verbessert. Trotz der hohen Lokalrezidivrate bei desmoplastischen Melanomen haben sich größere Resektionsränder als solche, die für nicht-desmoplastische Melanome empfohlen werden, nicht als vorteilhaft erwiesen. Die Exzisionsränder beim desmoplastischen oder neurotropen desmoplastischen Melanom (die Prävalenz des Neurotropismus beträgt 30-60 % beim desmoplastischen Melanom) sollten sich nicht denen unterscheiden, die für andere Melanom-Subtypen empfohlen werden. Eine adjuvante Strahlentherapie reduziert das Lokalrezidivrisiko, wenn keine zufriedenstellende histologische Clearance (≥ 8-10 mm) erreicht werden kann. Die hohe Mutationslast dieses Melanom-Subtyps begründet das überdurchschnittliche Ansprechen auf die Immuntherapie in fortgeschrittenen Stadien. (BRAF- und NRAS-Mutationen werden vergleichsweise seltener detektiert.)

Quelle:

J Eur Acad Dermatol Venereol. 2021 Jun;35(6):1290-1298. http://doi.org/10.1111/jdv.17154.

Desmoplastic melanoma: a review of its pathology and clinical behaviour, and of management recommendations in published guidelines.

Hughes TM, Williams GJ, Gyorki DE, Kelly JW, Stretch JR, Varey AHR, Hong AM, Scolyer RA, Thompson JF.

Sep 10 2021

Eruptive Pseudoangiomatose: Virale oder paravirale Manifestation? (NEWSBLOG)

Diese Fallserie weist auf einen möglichen Zusammenhang einer eruptiven Pseudoangiomatose mit einer Parvovirus-B19-Infektion hin (8/20 Patienten zeigten positive Anti-Parvovirus-B19-IgG-Antikörper und 2 von ihnen wiesen zusätzlich positives IgM und zirkulierende Parvovirus-B19-DNA auf), worüber bisher nicht berichtet wurde.

Quelle:

Acta Derm Venereol. 2021 Feb 16;101(2):adv00398. http://doi.org/10.2340/00015555-3761

Eruptive Pseudoangiomatosis: Clinicopathological Report of 20 Adult Cases and a Possible Novel Association with Parvovirus B19.

Maqsood F(1), Vassallo C, Derlino F, Croci GA, Ciolfi C, Brazzelli V.

Kombinierte topische Therapie bei ILVEN (NEWSBLOG)

Der ILVEN zeigt eine hohe Rezidivrate nach verschiedenen Therapieansätzen. Dieser Fall berichtet über einen 18-jährigen Patienten, der morgens 20 % Urea-Creme für 1 h applizierte (zur verbesserten Penetration), gefolgt von 0,25 % Prednicarbat-Salbe und Calcipotriol/Betamethason-Dipropionat-Gel für die Nacht. Diese Dreifachbehandlung führte nach drei Wochen zu einer signifikanten Remission.

Quelle:

Clin Exp Dermatol. 2021 Feb 12. http://doi.org/10.1111/ced.14603.

Inflammatory linear verrucous epidermal naevus successfully treated with a combination of triple topical agents (corticosteroid, calcipotriol and 20% urea).

Hong JK, Han HS, Yoo KH.

Polidocanol bei Granuloma pyogenicum (NEWSBLOG)

Die Sklerotherapie ist die konservative Therapieoption der ersten Wahl beim Granuloma pyogenicum. Diese retrospektive Studie zielte darauf ab, die Wirksamkeit der Sklerotherapie mit 1,0% Polidocanol zur Behandlung bei Kindern zu bewerten. Die Behandlungen führten zu einer vollständigen Remission mit unauffälligen Narben. Die Behandlung wurde gut vertragen; Rezidive wurden nicht beobachtet. Allergische Reaktionen, Hautnekrose und Pigmentveränderungen wurden ebenfalls nicht registriert. Eine frühzeitige Behandlung war mit einem günstigeren Ergebnis verbunden.

Quelle:

Dermatol Surg. 2021 Jun 1;47(6):802-804. http://doi.org/10.1097/DSS.0000000000002967.

Polidocanol Sclerotherapy for the Treatment of Pyogenic Granuloma in Children.

Li J, Wu C, Song D, Wang L, Guo L.

 

Naevus comedonicus-Syndrom (NEWSBLOG)

Als Ursache des Nävus-comedonicus-Syndroms wurde kürzlich eine mosaikartige postzygote gain-of-function-Mutation des NEK9-Gens nachgewiesen. Eine systematische Literaturübersicht hat 43 bekannte Fälle dieses Syndroms gefunden, die bisher publiziert wurden. Es ist hauptsächlich mit okulären, skelettalen und neuralen Anomalien verbunden, am typischsten sind eine ipsilaterale angeborene Katarakt und Fehlbildungen von Fingern und Zehen.

Quelle:

Pediatr Dermatol. 2021 Mar;38(2):359-363. http://doi.org/10.1111/pde.14508.

Nevus comedonicus syndrome: A systematic review of the literature.

Torchia D.

Orale Antimykotika bei Kopf-Hals-Dermatitis unter Dupilumab (NEWSBLOG)

Eine Kopf-Hals-Dermatitis nach Dupilumab-Therapie bei atopischer Dermatitis wurde häufig bei Erwachsenen und nur selten bei Jugendlichen berichtet. Bei Jugendlichen wurden bisher keine Fälle beschrieben, in denen der Krankheitsverlauf und das Ansprechen auf die Behandlung detailliert dargelegt wurden. Diese Fallserie stellt fünf jugendliche Patienten vor, die nach einer Dupilumab-Therapie wegen atopischer Dermatitis eine neu aufgetretene oder sich verschlimmernde Kopf-Hals-Dermatitis entwickelten. Alle fünf Patienten verbesserten sich nach oraler antimykotischer Therapie, was darauf hindeutet, dass Malassezia-Spezies ein beteiligter Faktor oder antimykotische Substanzen wirksame entzündungshemmende Mittel sein könnten.

Quelle:

Pediatr Dermatol. 2021 Mar;38(2):390-394. http://doi.org/10.1111/pde.14499.

New-onset head and neck dermatitis in adolescent patients after dupilumab therapy for atopic dermatitis.

Bax CE, Khurana MC, Treat JR, Castelo-Soccio L, Rubin AI, McMahon PJ.

Erstellt von Administrator am 2005/01/28 16:50
  

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