BAP1-inaktivierte Melanozytome versus Melanome: neue diagnostische Kriterien (NEWSBLOG 2026)

Zuletzt geändert von Thomas Brinkmeier am 2026/10/29 06:19

BAP1-inaktivierte Melanozytome versus Melanome: neue diagnostische Kriterien (NEWSBLOG 2026)

BAP1-inaktivierte Melanozytome sind melanozytäre Tumoren intermediärer Dignität, deren Abgrenzung von BAP1-inaktivierten Melanomen histopathologisch schwierig sein kann. Kernatypien, expansives Wachstum und Mitosen können auch bei Melanozytomen auftreten und damit den Verdacht auf ein Melanom erwecken. Eine aktuelle Studie untersuchte, welche morphologischen und molekularen Merkmale für die Unterscheidung besonders hilfreich sind.

Verglichen wurden 20 BAP1-inaktivierte Melanome mit 23 BAP1-inaktivierten Melanozytomen. Für 17 der Melanomfälle lagen klinische Verlaufsdaten vor. Entscheidend war dabei die Suche nach Merkmalen mit hoher Spezifität, da BAP1-inaktivierte Melanozytome wesentlich häufiger sind und einzelne atypische histologische Befunde für sich genommen keine Melanomdiagnose rechtfertigen.

Vier morphologische Merkmale fanden sich in dieser Serie ausschließlich bei BAP1-inaktivierten Melanomen: Ulzeration, Tumornekrose, Infiltration der Subkutis und eine Mitoseaktivität von mindestens 4/mm². Diese Befunde können daher bei diagnostisch grenzwertigen BAP1-inaktivierten Tumoren wichtige Hinweise auf Malignität liefern. Umgekehrt bedeutet ihr Fehlen jedoch nicht zwangsläufig einen Ausschluss eines Melanoms.

Auch molekular zeigten sich deutliche Unterschiede. BAP1-inaktivierte Melanome wiesen durchschnittlich 6,6 pathogene Varianten auf, BAP1-inaktivierte Melanozytome lediglich 2,4. Die Tumormutationslast war mit 31,2 gegenüber 7,8 Mutationen/Mb ebenfalls signifikant höher. Pathogene Veränderungen des TERT-Promotors, von CDKN2A, CDK4 und MYC sowie Veränderungen des SWI/SNF-Komplexes und des PI3K-AKT-Signalwegs wurden ausschließlich bei den Melanomen nachgewiesen.

Die Ergebnisse unterstützen damit einen integrativen diagnostischen Ansatz. Insbesondere Ulzeration, Nekrose, subkutane Invasion und eine erhöhte Mitoseaktivität sollten bei einem BAP1-inaktivierten melanozytären Tumor den Verdacht auf ein Melanom deutlich erhöhen. Bei morphologisch nicht eindeutig klassifizierbaren Läsionen können zusätzliche molekulare Veränderungen – insbesondere TERT-Promotor- oder CDKN2A-Alterationen – weitere Argumente für eine maligne Einstufung liefern.

Aufgrund der begrenzten Fallzahlen sollten die genannten Kriterien allerdings noch nicht als isolierte definitive Schwellenwerte verstanden werden. Die Studie liefert vielmehr wichtige morphologische und molekulare Anhaltspunkte für die diagnostisch besonders anspruchsvolle Abgrenzung zwischen BAP1-inaktiviertem Melanozytom und BAP1-inaktiviertem Melanom.

Quelle:
Am J Dermatopathol. 2026 Jul 23. http://doi.org/10.1097/DAD.0000000000003390
Morphologic and Molecular Differences of BAP1 Melanocytomas and BAP1 Inactivated Melanomas.
Gerami P, Braat J, Holic LJ, Trichy NS, Olivares S, Busam KJ.

Erstellt von Thomas Brinkmeier am 2026/09/15 09:41
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