Das fixe Arzneimittelexanthem (Fixed Drug Eruption, FDE) ist durch umschriebene Haut- oder Schleimhautläsionen charakterisiert, die nach erneuter Einnahme des auslösenden Arzneimittels typischerweise an derselben Stelle rezidivieren. Das männliche Genitale gehört zu den häufigeren Schleimhautlokalisationen, dennoch kann die Manifestation diagnostisch insbesondere mit sexuell übertragbaren Infektionen verwechselt werden. Eine systematische Übersichtsarbeit fasste erstmals die publizierten Daten zum genitalen FDE bei Männern umfassend zusammen.
Aus 70 Publikationen wurden 262 erwachsene Patienten ausgewertet. Das gewichtete mediane Alter betrug 35,5 Jahre. Mit 72,9 % war die Glans penis die mit Abstand häufigste Lokalisation, gefolgt von Penisschaft (17,6 %), Präputium (12,2 %) und Skrotum (4,2 %). Klinisch dominierte ein Erythem (85,9 %); Erosionen wurden bei 36,3 %, Blasen bei 26,7 % und eine postinflammatorische Pigmentierung bei 26,2 % beschrieben. Besonders relevant für die Differenzialdiagnostik: Bei 79 % der Patienten war ausschließlich das Genitale betroffen. Bei zusätzlicher extragenitaler Manifestation war die Mundschleimhaut am häufigsten beteiligt.
Bei 93,1 % ließ sich ein auslösendes Arzneimittel identifizieren. An erster Stelle stand Trimethoprim/Sulfamethoxazol mit 27,9 %, gefolgt von Tetrazyklinen mit 20,9 % und nichtsteroidalen Antirheumatika mit 12,3 %. Die gewichtete mediane Latenz bis zum Auftreten der Läsionen betrug 48 Stunden. In 56,1 % der Fälle beruhte die Diagnose ausschließlich auf der klinischen Anamnese; wenn eine weiterführende allergologische Abklärung erfolgte, wurde am häufigsten eine orale Provokation eingesetzt.
Für die Praxis ist insbesondere die Kombination aus umschriebener genitaler Läsion, zeitlichem Zusammenhang mit einer Arzneimitteleinnahme und Rezidiv an identischer Lokalisation wegweisend. Die systematische Medikamentenanamnese kann unnötige infektiologische Diagnostik vermeiden und ist entscheidend, um durch konsequente Meidung des Auslösers weitere Rezidive zu verhindern.
Quelle:
Clin Exp Dermatol. 2026 Jun 26. http://doi.org/10.1093/ced/llag275
Male genital fixed drug eruption: a systematic review.
Salle R, Marcellier G, Duong TA, Dauendorffer JN.