Eine allergenspezifische Immuntherapie wird üblicherweise bei bereits klinisch manifester IgE-vermittelter Allergie eingesetzt. Ob eine sublinguale Immuntherapie (SLIT) bereits bei sensibilisierten, aber noch symptomfreien Kindern die weitere Allergieentwicklung beeinflussen kann, ist bislang weitgehend ungeklärt. In einer randomisierten placebokontrollierten Studie erhielten 33 gegen Hausstaubmilben sensibilisierte, klinisch jedoch asymptomatische Kinder im Alter von drei bis fünf Jahren über bis zu zwei Jahre entweder eine tägliche Hausstaubmilben-SLIT oder Placebo. Unter der aktiven Behandlung stiegen die allergenspezifischen IgG-Antikörper gegen das Hauptallergen Der p 1 signifikant stärker an als unter Placebo. Zusätzlich nahmen Hausstaubmilben-spezifisches IgG1 und IgG4 zu, ohne dass langfristig ein entsprechender Anstieg des spezifischen IgE beobachtet wurde. Funktionell zeigte sich eine verminderte Allergenreaktivität sowohl im Hautpricktest als auch im Basophilenaktivierungstest. Besonders interessant war, dass die unter SLIT gebildeten Antikörper die IgE-vermittelte Basophilenaktivierung hemmen konnten und sich zudem Hinweise auf eine abgeschwächte Entwicklung neuer Sensibilisierungen fanden. Die Ergebnisse zeigen damit, dass eine Hausstaubmilben-SLIT bereits vor Auftreten klinischer Allergiesymptome relevante immunologische Toleranzmechanismen induzieren kann. Ob daraus tatsächlich eine langfristige Prävention von allergischer Rhinitis, Asthma oder anderen Manifestationen der atopischen Krankheitsprogression resultiert, ist mit dieser kleinen Studie jedoch noch nicht belegt. Eine präventive SLIT bei lediglich sensibilisierten, asymptomatischen Vorschulkindern kann daher derzeit nicht als etablierte klinische Strategie angesehen werden.
Quelle:
Allergy. 2026 May 21. http://doi.org/10.1111/all.70387
Preventive Application of House Dust Mite-Sublingual Immunotherapy Induces Blocking Antibodies in Sensitized Preschool Children.
Dwivedi V, Schmidthaler K, Demir H, Sieber J, Gaupmann R, Gona-Höpler LM, Bannert C, Gruber S, Dehlink E, Eiwegger T, Graf A, Bohle B, Szépfalusi Z.