Trichophyton indotineae hat sich in den vergangenen Jahren zu einem wichtigen Erreger chronischer und schwer behandelbarer Dermatophytosen entwickelt. Charakteristisch ist die zunehmende Terbinafinresistenz, die häufig durch Mutationen im Gen der Squalenepoxidase (SQLE), der Zielstruktur von Terbinafin, verursacht wird. Eine Schweizer Studie untersuchte nun die Entwicklung der Infektionen, Resistenzmechanismen und Therapieergebnisse über mehr als zehn Jahre.
Am Universitätsspital Zürich wurden 35 Fälle aus den Jahren 2014 bis 2024 klinisch ausgewertet. Für 31 Isolate erfolgten eine antimykotische Empfindlichkeitsprüfung und eine Sequenzierung des SQLE-Gens. Zusätzlich wurden SQLE-Daten bis Ende 2025 berücksichtigt. Die Fallzahlen nahmen insbesondere in den letzten Jahren deutlich zu.
Bei 20 von 31 untersuchten Isolaten (65 %) wurden SQLE-Mutationen gefunden. Unter Einbeziehung der Daten bis Ende 2025 waren bereits 55 von 69 Isolaten (80 %) betroffen. Zu den häufigsten Veränderungen gehörten F397L, L393S und A448T. Besonders deutlich zeigte sich der Zusammenhang mit der Terbinafinempfindlichkeit: Isolate mit SQLE-Mutationen hatten eine mediane minimale Hemmkonzentration (MHK) für Terbinafin von 8 µg/ml gegenüber lediglich 0,008 µg/ml bei Wildtyp-Isolaten – ein Unterschied um den Faktor 1000.
Die molekularen Unterschiede hatten unmittelbare klinische Konsequenzen. Patienten mit SQLE-mutierten Stämmen benötigten im Median 11,5 Wochen systemische Therapie gegenüber 3,5 Wochen bei Infektionen durch Wildtyp-Stämme. Bei mutierten Isolaten war häufig Itraconazol zur Eradikation erforderlich, während Wildtyp-Infektionen auf Terbinafin ansprachen. Rezidive traten bei etwa einem Drittel der Patienten auf, konnten jedoch in der Regel durch erneute Behandlung kontrolliert werden.
Die Ergebnisse verdeutlichen, dass der Nachweis von T. indotineae allein zunehmend nicht ausreicht, um die optimale Therapie festzulegen. Die Bestimmung der antimykotischen Empfindlichkeit und insbesondere die SQLE-Genotypisierung können eine individualisierte Therapie ermöglichen. Terbinafin bleibt bei SQLE-Wildtyp-Stämmen eine wirksame Option, während Itraconazol in dieser Untersuchung bei SQLE-mutierten und damit häufig terbinafinresistenten Isolaten die zuverlässigere Therapie darstellte.
Die Schweizer Daten dokumentieren zugleich, dass T. indotineae und die damit verbundene Terbinafinresistenz inzwischen auch in Mitteleuropa klinisch relevant sind. Bei ausgedehnten, rezidivierenden oder unter Terbinafin persistierenden Dermatophytosen sollte daher gezielt an diesen Erreger und eine mögliche SQLE-vermittelte Resistenz gedacht werden.
Quelle:
J Dtsch Dermatol Ges. 2026 Jul 9. http://doi.org/10.1111/ddg.70394
Emergence of Trichophyton indotineae in Switzerland (2014-2025): Clinical analysis and antifungal susceptibility.
Lechner AH, Arnold DD, Bosshard PP.