Das Merkelzellkarzinom (MCC) weist mit etwa 40 % ein hohes Rezidivrisiko auf. Für die Nachsorge stehen neben klinischer Untersuchung und Bildgebung zwei blutbasierte Biomarker zur Verfügung: zirkulierende Tumor-DNA (ctDNA) und Antikörper gegen Onkoproteine des Merkelzell-Polyomavirus (MCPyV). Eine multizentrische US-amerikanische Kohortenstudie verglich erstmals beide Verfahren direkt hinsichtlich ihrer Fähigkeit, MCC-Rezidive vorherzusagen.
Untersucht wurden 169 Patienten mit MCC der Stadien I–IV, die zu Beginn der Überwachung klinisch tumorfrei waren und bei Diagnosestellung nachweisbare MCPyV-Onkoprotein-Antikörper aufwiesen. Zwischen 2020 und 2024 wurden insgesamt 703 zeitlich gepaarte ctDNA- und Antikörperbestimmungen durchgeführt. Das mediane Untersuchungsintervall betrug 96 Tage. Während einer medianen Nachbeobachtung von 483 Tagen wurden 36 klinische Rezidive bei 32 Patienten festgestellt.
Die ctDNA erwies sich gegenüber der MCPyV-Antikörperbestimmung als deutlich aussagekräftiger. Nach einem positiven Testergebnis betrug der positive prädiktive Wert für ein Rezidiv innerhalb von 365 Tagen 73 % für ctDNA gegenüber 52 % für die Antikörperbestimmung. Besonders hoch war die Aussagekraft eines negativen ctDNA-Befundes: Der negative prädiktive Wert für ein Rezidiv innerhalb von 90 Tagen lag bei 99 % gegenüber 97 % für die Antikörperbestimmung.
Noch deutlicher wurde der Unterschied bei der Risikostratifizierung. Ein positiver ctDNA-Befund war mit einer Hazard Ratio von 47,9 für ein nachfolgend festgestelltes Rezidiv verbunden, gegenüber 7,3 bei einem relevanten Anstieg des MCPyV-Antikörpertiters. Die zusätzliche parallele Bestimmung beider Marker brachte nur einen geringen Zusatznutzen: Gegenüber ctDNA allein wurde lediglich ein weiteres Rezidiv erkannt.
Die Ergebnisse sprechen damit für ctDNA als den leistungsfähigeren blutbasierten Biomarker zur Rezidivüberwachung des MCC. Ein negativer ctDNA-Befund kann insbesondere für die kurzfristige Risikoeinschätzung wertvoll sein, während ein positiver Befund eine deutlich erhöhte Rezidivwahrscheinlichkeit signalisiert und Anlass zu einer intensivierten klinischen beziehungsweise bildgebenden Abklärung geben kann. Zu beachten ist allerdings, dass ausschließlich Patienten mit bei Diagnosestellung nachweisbaren MCPyV-Onkoprotein-Antikörpern in den direkten Vergleich eingeschlossen wurden. Die Ergebnisse belegen daher vor allem die Überlegenheit der ctDNA innerhalb dieser antikörperpositiven Patientengruppe und sollten nicht als vollständiger Ersatz etablierter klinischer und bildgebender Nachsorgestrategien interpretiert werden.
Quelle:
JAMA Dermatol. 2026 Jul 8. http://doi.org/10.1001/jamadermatol.2026.2153
ctDNA or Merkel Virus Antibodies for Surveillance of Merkel Cell Carcinoma Recurrence.
Thakuria M, Akaike T, Silk AW, Hippe DS, Ch'en PY, Alam R, Chan JE, Park SY, Khaddour K, Biese KB, Jabbour AJ, Fu A, Gilmour MW, Finberg A, Chiu MW, Kim H, Urman NM, Hall ET, Bhatia S, Nghiem P, Zaba LC.