Hyper-IgD-Syndrom

Zuletzt geändert von Thomas Brinkmeier am 2026/01/30 18:23

Hyper-IgD-Syndrom

Syn: Hyper-IgD-Syndrom, Mevalonatkinase-Mangel, MVK-Defizienz, HIDS

Engl: Hyper-IgD syndrome

Def: Seltene autoinflammatorische Erkrankung aus dem Formenkreis der periodischen Fiebersyndrome, verursacht durch einen Mevalonatkinase-Mangel mit rezidivierenden Fieberschüben und systemischer Entzündungsreaktion

Histr: Erstbeschreibung in den 1980er-Jahren bei niederländischen Patienten mit rezidivierendem Fieber und erhöhtem IgD-Spiegel, molekulargenetische Aufklärung in den 1990er-Jahren

Vork: Sehr selten, Prävalenz < 1:100.000, gehäuft in Europa, Manifestation meist im Säuglings- oder frühen Kindesalter

Gen: Autosomal-rezessive Mutation im MVK-Gen auf Chromosom 12, variable Restaktivität der Mevalonatkinase

Risk: Familiäre Belastung, Konsanguinität, Trigger durch Impfungen oder Infektionen

Ät: Enzymdefekt der Mevalonatkinase mit gestörter Isoprenoid-Biosynthese

Pg: Verminderte Isoprenoidproduktion führt zu Dysregulation des Inflammasoms mit überschießender IL-1β-Freisetzung und systemischer Entzündung

TF: Infektionen, Impfungen, physischer oder emotionaler Stress, chirurgische Eingriffe

Etlg: - Milde HIDS-Form

- schwere MVK-Defizienz mit Übergang zum Mevalonatacidurie-Spektrum

KL: Rezidivierende Fieberschübe von 3-7 Tagen Dauer mit Lymphadenopathie, abdominellen Schmerzen, Diarrhö, Erbrechen, Arthralgien, Kopfschmerzen und makulopapulösem Exanthem

Lok: Systemisch, Lymphknoten, Gastrointestinaltrakt, Gelenke, Haut

Di: Klinische Kriterien, Nachweis erhöhter IgD- und oft IgA-Spiegel, genetische Analyse des MVK-Gens

Lab: Erhöhtes IgD und IgA, CRP und Serum-Amyloid A während Schüben erhöht, Mevalonsäure im Urin während Fieberattacken erhöht

Hi: Unspezifische entzündliche Veränderungen, keine pathognomonischen histologischen Befunde

Ass: Amyloidose als seltene Spätkomplikation, Wachstumsverzögerung bei schweren Verläufen

So: Schwere neonatal beginnende Form im Rahmen der Mevalonatacidurie

DD: Familiäres Mittelmeerfieber, TRAPS, CAPS, PFAPA-Syndrom, infektiöse Ursachen

Prog: Chronisch-rezidivierender Verlauf, Schwere nimmt im Erwachsenenalter häufig ab, Prognose abhängig von Enzymrestaktivität

Prop: Keine kausale Prophylaxe möglich, frühzeitige Diagnose zur Vermeidung von Komplikationen

Th: IL-1-Inhibitoren wie Anakinra oder Canakinumab, symptomatische Therapie während Schüben, NSAID und Glukokortikoide mit begrenzter Wirksamkeit

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