Hyper-IgD-Syndrom
Hyper-IgD-Syndrom
Syn: Hyper-IgD-Syndrom, Mevalonatkinase-Mangel, MVK-Defizienz, HIDS
Engl: Hyper-IgD syndrome
Def: Seltene autoinflammatorische Erkrankung aus dem Formenkreis der periodischen Fiebersyndrome, verursacht durch einen Mevalonatkinase-Mangel mit rezidivierenden Fieberschüben und systemischer Entzündungsreaktion
Histr: Erstbeschreibung in den 1980er-Jahren bei niederländischen Patienten mit rezidivierendem Fieber und erhöhtem IgD-Spiegel, molekulargenetische Aufklärung in den 1990er-Jahren
Vork: Sehr selten, Prävalenz < 1:100.000, gehäuft in Europa, Manifestation meist im Säuglings- oder frühen Kindesalter
Gen: Autosomal-rezessive Mutation im MVK-Gen auf Chromosom 12, variable Restaktivität der Mevalonatkinase
Risk: Familiäre Belastung, Konsanguinität, Trigger durch Impfungen oder Infektionen
Ät: Enzymdefekt der Mevalonatkinase mit gestörter Isoprenoid-Biosynthese
Pg: Verminderte Isoprenoidproduktion führt zu Dysregulation des Inflammasoms mit überschießender IL-1β-Freisetzung und systemischer Entzündung
TF: Infektionen, Impfungen, physischer oder emotionaler Stress, chirurgische Eingriffe
Etlg: - Milde HIDS-Form
- schwere MVK-Defizienz mit Übergang zum Mevalonatacidurie-Spektrum
KL: Rezidivierende Fieberschübe von 3-7 Tagen Dauer mit Lymphadenopathie, abdominellen Schmerzen, Diarrhö, Erbrechen, Arthralgien, Kopfschmerzen und makulopapulösem Exanthem
Lok: Systemisch, Lymphknoten, Gastrointestinaltrakt, Gelenke, Haut
Di: Klinische Kriterien, Nachweis erhöhter IgD- und oft IgA-Spiegel, genetische Analyse des MVK-Gens
Lab: Erhöhtes IgD und IgA, CRP und Serum-Amyloid A während Schüben erhöht, Mevalonsäure im Urin während Fieberattacken erhöht
Hi: Unspezifische entzündliche Veränderungen, keine pathognomonischen histologischen Befunde
Ass: Amyloidose als seltene Spätkomplikation, Wachstumsverzögerung bei schweren Verläufen
So: Schwere neonatal beginnende Form im Rahmen der Mevalonatacidurie
DD: Familiäres Mittelmeerfieber, TRAPS, CAPS, PFAPA-Syndrom, infektiöse Ursachen
Prog: Chronisch-rezidivierender Verlauf, Schwere nimmt im Erwachsenenalter häufig ab, Prognose abhängig von Enzymrestaktivität
Prop: Keine kausale Prophylaxe möglich, frühzeitige Diagnose zur Vermeidung von Komplikationen
Th: IL-1-Inhibitoren wie Anakinra oder Canakinumab, symptomatische Therapie während Schüben, NSAID und Glukokortikoide mit begrenzter Wirksamkeit