Hypotrichose der Wimpern
Hypotrichose der Wimpern
Syn: Wimpernhypotrichose, partielle Madarosis
Engl: Eyelash hypotrichosis
Def: Verminderung von Anzahl, Länge oder Durchmesser der Wimpern infolge genetischer, entzündlicher, infektiöser, traumatischer, endokriner oder medikamentöser Ursachen
Histr: Historisch im Rahmen blepharitischer Erkrankungen beschrieben, später als eigenständige Follikelstörung klassifiziert
Vork: Selten isoliert, häufiger sekundär im Rahmen dermatologischer oder ophthalmologischer Erkrankungen
Gen: Assoziation mit ektodermaler Dysplasie, Marie-Unna-Hypotrichose, Keratinmutationen, Atrichia congenita durch HR-Mutationen
Ät: Follikelminiaturisierung infolge endokriner Störungen, genetischer Defekte, entzündlicher Schädigung, toxischer oder mechanischer Einwirkung
Pg: Verkürzte Anagenphase, reduzierte Follikelaktivität, dystrophe oder miniaturisierte Wimpernfollikel, inflammationsinduzierte Follikeldestruktion
TF: Blepharitis, Demodex-Infestation, bakterielle Infektionen, Retinoide, Chemotherapeutika, Prostaglandinsynthesehemmer, Schilddrüsenfunktionsstörungen
Etlg: - Kongenitale Wimpernhypotrichose
- entzündlich bedingte sekundäre Hypotrichose
- toxisch-medikamentöse Hypotrichose
- traumatisch-mechanische Hypotrichose
KL: Ausgedünnte, verkürzte oder brüchige Wimpern, Lidrandirritation, erhöhtes Risiko für Keratitis aufgrund reduzierter Schutzfunktion
Lok: Oberlid und Unterlid, meist bilateral, gelegentlich asymmetrisch
Di: Ophthalmologische Untersuchung, Dermatoskopie der Lidkante, Ausschluss entzündlicher und infektiöser Erkrankungen, Anamnese zu Medikamenten und Kosmetika
Lab: Schilddrüsenwerte, Ferritin, Vitamin D, Zink, Autoantikörper bei Verdacht auf autoimmune Beteiligung
Hi: Miniaturisierte Follikel, reduzierte Anagenquote, lymphozytäres oder gemischtzelliges Infiltrat bei entzündlicher Genese
So: Hypotrichose nach kosmetischen Eingriffen wie Lash-Lifting oder Extensions
DD: Alopecia areata, Trichotillomanie, infektiöse Blepharitis, Distichiasis, Blepharitis ulcerosa
Prog: Je nach Ursache reversibel, jedoch bei genetischen und autoimmunen Formen eingeschränkt
Prop: Lidrandhygiene, Meidung mechanischer Belastung, Behandlung systemischer oder lokaler Entzündungen, Optimierung von Nährstoffen
Th: - Bimatoprost zur Anagenverlängerung
Def: synthetisches Prostaglandin-Analogon, ursprünglich zur Drucksenkung entwickelt
Dos: 0,03%
- Behandlung entzündlicher Grunderkrankungen
- nutritive Unterstützung
- Schonung und Schutz der Lidhaut