Immunrekonstitutions-Entzündungssyndrom
Immunrekonstitutions-Entzündungssyndrom
Syn: IRIS, Immunrekonstitution-Syndrom, immunrekonstitutionelles inflammatorisches Syndrom
Engl: Immune reconstitution inflammatory syndrome
Def: Paradoxe, überschießende Immunreaktion nach Wiederanstieg der Immunfunktion, typischerweise im Rahmen antiretroviraler Therapie oder nach Immunsuppression, wobei zuvor subklinische oder behandelte Infektionen eine entzündliche Verschlechterung zeigen
Histr: Seit der Einführung der HAART in den 1990er‑Jahren zunehmend beschrieben, später auch unter immunsuppressiver Therapie oder nach Stammzelltransplantation erkannt
Vork: Häufig bei HIV‑Patienten nach Beginn der ART, ebenso bei Patienten mit immunsuppressiver Therapie, Malignomen oder nach Absetzen immunsuppressiver Medikamente
Gen: Keine genetische Ursache, aber HLA‑assoziierte Modulatoren diskutiert
Risk: Sehr geringe CD4‑Zahl vor ART, hohe Viruslast, schnelle Immunrekonstitution, bestehende opportunistische Infektionen
Ät: Wiederherstellung der T‑Zell-Funktion führt zur überschießenden Entzündungsreaktion gegen persistierende Antigene
Pg: Rasche Immunaktivierung → Zytokinfreisetzung (IL‑6, TNF‑α, IFN‑γ) → granulomatöse oder suppurative Entzündungsreaktionen gegen opportunistische Pathogene
TF: Beginn oder Intensivierung antiretroviraler Therapie, Absetzen von Immunsuppression, erfolgreiche Behandlung opportunistischer Infektionen
Etlg: - paradoxe IRIS (Verschlechterung einer bekannten Infektion)
- unmasking IRIS (Aufdecken zuvor unerkannter Infektion)
KL: Fieber, Lymphadenitis, Verschlechterung lokaler Befunde, granulomatöse oder suppurative Infiltrate, Verschlechterung neurologischer Symptome bei ZNS‑Beteiligung
Lok: Systemisch; häufig Lymphknoten, Haut, Lunge, ZNS (z. B. Kryptokokken‑IRIS), Abdomen
Di: Klinische Diagnose; Nachweis zeitlicher Assoziation mit Immunrekonstitution; Ausschluss Therapieversagen oder neuer Infektion
Lab: Entzündungsparameter erhöht, Viruslast häufig fallend, CD4‑Zahl zunehmend
Hi: Granulomatöse Entzündung, suppurative Infiltrate, je nach Pathogen spezifische Muster
Ass: HIV, Tuberkulose (TB‑IRIS), Kryptokokkose, CMV‑Infektionen, Mykobakterien, HBV/HCV‑Reaktivierung
So: ZNS‑IRIS, okuläre IRIS, kutane IRIS, pulmonale IRIS
DD: Therapieversagen, neue Infektion, Medikamentennebenwirkung, Progression der Grunderkrankung
Prog: Variabel; mild bis potenziell schwer, ZNS‑IRIS mit erhöhter Morbidität
Prop: Frühe Erkennung, Management opportunistischer Infektionen vor ART‑Beginn, sorgfältige Immunüberwachung
Th: Fortsetzung der ART, entzündungshemmende Therapie (NSAR, Kortikosteroide), gezielte Therapie der assoziierten Infektion