Immunrekonstitutions-Entzündungssyndrom

Zuletzt geändert von Thomas Brinkmeier am 2026/08/17 23:30

Immunrekonstitutions-Entzündungssyndrom

Syn: IRIS, Immunrekonstitution-Syndrom, immunrekonstitutionelles inflammatorisches Syndrom

Engl: Immune reconstitution inflammatory syndrome

Def: Paradoxe, überschießende Immunreaktion nach Wiederanstieg der Immunfunktion, typischerweise im Rahmen antiretroviraler Therapie oder nach Immunsuppression, wobei zuvor subklinische oder behandelte Infektionen eine entzündliche Verschlechterung zeigen

Histr: Seit der Einführung der HAART in den 1990er‑Jahren zunehmend beschrieben, später auch unter immunsuppressiver Therapie oder nach Stammzelltransplantation erkannt

Vork: Häufig bei HIV‑Patienten nach Beginn der ART, ebenso bei Patienten mit immunsuppressiver Therapie, Malignomen oder nach Absetzen immunsuppressiver Medikamente

Gen: Keine genetische Ursache, aber HLA‑assoziierte Modulatoren diskutiert

Risk: Sehr geringe CD4‑Zahl vor ART, hohe Viruslast, schnelle Immunrekonstitution, bestehende opportunistische Infektionen

Ät: Wiederherstellung der T‑Zell-Funktion führt zur überschießenden Entzündungsreaktion gegen persistierende Antigene

Pg: Rasche Immunaktivierung → Zytokinfreisetzung (IL‑6, TNF‑α, IFN‑γ) → granulomatöse oder suppurative Entzündungsreaktionen gegen opportunistische Pathogene

TF: Beginn oder Intensivierung antiretroviraler Therapie, Absetzen von Immunsuppression, erfolgreiche Behandlung opportunistischer Infektionen

Etlg: - paradoxe IRIS (Verschlechterung einer bekannten Infektion)

- unmasking IRIS (Aufdecken zuvor unerkannter Infektion)

KL: Fieber, Lymphadenitis, Verschlechterung lokaler Befunde, granulomatöse oder suppurative Infiltrate, Verschlechterung neurologischer Symptome bei ZNS‑Beteiligung

Lok: Systemisch; häufig Lymphknoten, Haut, Lunge, ZNS (z. B. Kryptokokken‑IRIS), Abdomen

Di: Klinische Diagnose; Nachweis zeitlicher Assoziation mit Immunrekonstitution; Ausschluss Therapieversagen oder neuer Infektion

Lab: Entzündungsparameter erhöht, Viruslast häufig fallend, CD4‑Zahl zunehmend

Hi: Granulomatöse Entzündung, suppurative Infiltrate, je nach Pathogen spezifische Muster

Ass: HIV, Tuberkulose (TB‑IRIS), Kryptokokkose, CMV‑Infektionen, Mykobakterien, HBV/HCV‑Reaktivierung

So: ZNS‑IRIS, okuläre IRIS, kutane IRIS, pulmonale IRIS

DD: Therapieversagen, neue Infektion, Medikamentennebenwirkung, Progression der Grunderkrankung

Prog: Variabel; mild bis potenziell schwer, ZNS‑IRIS mit erhöhter Morbidität

Prop: Frühe Erkennung, Management opportunistischer Infektionen vor ART‑Beginn, sorgfältige Immunüberwachung

Lit:  

Th: Fortsetzung der ART, entzündungshemmende Therapie (NSAR, Kortikosteroide), gezielte Therapie der assoziierten Infektion

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