Neonatale zephalische PUstulose

Zuletzt geändert von Thomas Brinkmeier am 2026/07/29 11:57

Neonatale zephalische PUstulose

Engl: Neonatal cephalic pustulosis.

Def: Häufige, selbstlimitierende entzündliche papulopustulöse Dermatose des Neugeborenen mit auf das Kopf-Hals-Areal beschränkten Papeln und Pusteln ohne Komedonen. Heute als eigenständige Entität und nicht als echte Akne bzw. Acne neonatorum angesehen.

Histr: Anfang der 1990er Jahre von der Acne neonatorum abgegrenzt. Die zunehmende Evidenz für eine Beteiligung von Malassezia führte zur Etablierung des Begriffs der neonatalen zephalischen Pustulose

Vork: Je nach Definition bei bis zu etwa 20 % der Neugeborenen. Manifestation überwiegend zwischen der 2. und 4. Lebenswoche, selten bereits in den ersten Lebenstagen.

Gen: Keine gesicherte genetische Prädisposition. Familiäre Aknebelastung spielt im Gegensatz zur Acne infantum keine wesentliche Rolle.

Risk: Ausgeprägte neonatale Talgproduktion, Besiedlung mit lipophilen Malassezia-Arten, individuelle Unterschiede der angeborenen Immunantwort.

Ät: Multifaktoriell. Wahrscheinlich überschießende entzündliche Reaktion auf Malassezia-Hefen bei physiologisch gesteigerter Talgproduktion des Neugeborenen.

Pg: Der postnatal unter maternalen und neonatalen Androgenen aktive Talgdrüsenapparat schafft ein lipidreiches Milieu für Malassezia. Deren Antigene induzieren eine perifollikuläre neutrophile und lymphohistiozytäre Entzündung ohne Ausbildung einer follikulären Hyperkeratose oder Komedonen. Die Erkrankung unterscheidet sich dadurch pathogenetisch von der Acne vulgaris.

TF: Keine gesicherten externen Trigger. Weder Ernährung noch Hautpflegeprodukte gelten als etablierte Auslöser.

KL: Monomorphe 1-3 mm große Papeln und sterile Pusteln überwiegend an Wangen, Stirn, Kinn und periokulär. Komedonen fehlen regelhaft. Erythem unterschiedlich ausgeprägt. Allgemeinzustand ungestört, keine systemischen Symptome.

Lok: Gesicht mit Schwerpunkt Wangen und Stirn, seltener behaarte Kopfhaut, Hals oder obere Brust.

Di: Klinische Diagnose. Bei atypischer Morphologie, schwerem Verlauf oder Allgemeinsymptomen Ausschluss infektiöser Ursachen. Direkte Mikroskopie oder KOH-Präparat kann Malassezia nachweisen, ist jedoch nicht routinemäßig erforderlich.

Lab: Keine charakteristischen Laborveränderungen

Hi: Follikelzentrierte neutrophile Pusteln mit perifollikulärem gemischtzelligem Infiltrat. Teilweise Nachweis von Malassezia innerhalb der Follikel. Keine typische Komedonenbildung.

Err: Malassezia sympodialis, M. furfur und weitere lipophile Hefen werden am häufigsten nachgewiesen.

Ass: Keine Assoziation mit endokrinen Erkrankungen.

So: Persistierende oder rezidivierende Verläufe sind selten und sollten an Acne infantum oder andere pustulöse Dermatosen denken lassen.

DD: Acne neonatorum, Acne infantum, Erythema toxicum neonatorum, transiente neonatale pustulöse Melanose, Miliaria pustulosa, Candida-Follikulitis, bakterielle Follikulitis, Herpes-simplex-Infektion, eosinophile Pustulose des Neugeborenen.

Prog: Exzellente Prognose. Spontane Abheilung innerhalb weniger Wochen bis maximal drei Monaten ohne Narben oder Pigmentstörungen.

Prop: Keine spezifische Prävention

Th: In der Regel genügt Elternaufklärung und Beobachtung. Bei ausgeprägten oder länger persistierenden Befunden kann topisches Ketoconazol 2 % oder ein anderes topisches Imidazol erwogen werden. Topische Retinoide, Benzoylperoxid, Antibiotika oder systemische Aknetherapien sind normalerweise nicht indiziert.

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