PELVIS-Syndrom
PELVIS-Syndrom
Syn: PELVIS-Sequenz, perineales Hämangiom-Syndrom
Engl: PELVIS syndrome
Def: Seltene Assoziation segmentaler lumbosakraler oder perinealer infantiler Hämangiome mit kongenitalen Fehlbildungen der äußeren Genitale, des Harntraktes, der Wirbelsäule und des anorektalen Systems, PELVIS-Akronym: Perineales Hämangiom, Externe Genitalfehlbildungen, Lipomyelomeningozele, Vesikorenale Anomalien, Imperforierter Anus, Hautanhang (Skin tag)
Histr: Zu Beginn der 2000er Jahre als eigenständige Assoziation segmentaler Hämangiom-assoziierter Fehlbildungssyndrome beschrieben
Vork: Sehr selten, betrifft vor allem Säuglinge mit großen segmentalen Hämangiomen im Perineal- oder Lumbosakralbereich
Gen: Keine spezifische Mutation bekannt, vermutlich sporadisch, möglicher somatischer Mosaizismus
Ät: Störung der Embryonalentwicklung abgeleiteter Strukturen der Neuralleiste und des kaudalen Mesoderms, genaue Mechanismen unklar
KL: Große segmentale Hämangiome perineal oder lumbosakral, Hypoplasien oder Fehlbildungen der Genitale, Fehlbildungen des Harntraktes, anorektale Malformationen, spinale Dysraphie
Lok: Perineum, Genitale, lumbosakrale Region
Di: Dermatologische Untersuchung, MRT der Wirbelsäule zum Nachweis von Dysraphien, Nierenultraschall, Miktionszysturethrographie, kinderurologische und kinderchirurgische Diagnostik
Lab: Keine spezifischen Laboruntersuchungen, Diagnostik richtet sich nach Begleitfehlbildungen
Hi: Infantiles Hämangiom mit proliferierenden, GLUT1-positiven Endothelzellen
So: Partielle Formen mit isoliertem Hämangiom und nur einzelnen Organfehlbildungen
DD: SACRAL-Syndrom, LUMBAR-Syndrom, isoliertes infantiles Hämangiom, anorektale Fehlbildung ohne Hämangiom
Prog: Abhängig vom Schweregrad der Organfehlbildungen, Hämangiome bilden sich meist zurück, urologische oder neurologische Komplikationen können langfristige Betreuung erfordern
Prop: Frühe Bildgebung, multidisziplinäre Betreuung, Monitoring urogenitaler und neurologischer Komplikationen
Th: Propranolol zur Therapie des Hämangioms, chirurgische Korrektur anorektaler und genitaler Fehlbildungen, Management urologischer Funktionsstörungen, neurochirurgische Behandlung eines tethered cord (Rückenmark bzw. Conus medullaris ist durch eine abnorme Fixierung nach kaudal in der Beweglichkeit eingeschränkt)