Altersabhängige dermatoskopische Merkmale können die Melanomerkennung bei Hochrisikopatienten verbessern (NEWSBLOG 2026)

Zuletzt geändert von Thomas Brinkmeier am 2026/10/04 13:46

Altersabhängige dermatoskopische Merkmale können die Melanomerkennung bei Hochrisikopatienten verbessern (NEWSBLOG 2026)

Melanozytäre Nävi verändern ihr dermatoskopisches Erscheinungsbild mit zunehmendem Lebensalter; deutlich weniger untersucht ist bislang, ob auch Melanome alterstypische statische und dynamische Merkmale aufweisen. Eine explorative Kohortenstudie analysierte 832 Patienten mit erhöhtem Melanomrisiko, die mittels Ganzkörperfotografie und sequenzieller digitaler Dermatoskopie überwacht wurden. Von insgesamt 14.896 dokumentierten Läsionen wurden 1.770 exzidiert, darunter 190 histologisch bestätigte Melanome. Dabei zeigten sich charakteristische Unterschiede zwischen drei Altersgruppen. Bei Patienten unter 31 Jahren waren Melanome im Vergleich zu denen anderer Altersgruppen insbesondere durch einen blau-weißen Schleier sowie eine symmetrische Größenzunahme ohne Globuli gekennzeichnet; eine symmetrische Vergrößerung mit Globuli war dagegen ein alterstypisches Merkmal exzidierter Nävi dieser Gruppe. Bei den 31- bis 50-Jährigen waren das Neuauftreten irregulärer Pigmentierung und irregulärer Punkte beziehungsweise Globuli charakteristisch für Melanome. Bei Patienten über 50 Jahren traten häufiger Regressionsstrukturen sowie neu entstandene atypische Pigmentnetze, atypische Gefäßmuster und ein blau-weißer Schleier auf, während fehlendes Größenwachstum ein typisches Merkmal der exzidierten Nävi dieser Altersgruppe war. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass dermatoskopische Veränderungen nicht unabhängig vom Patientenalter bewertet werden sollten: Ein bei jungen Patienten physiologisch erscheinendes Wachstumsmuster eines Nävus kann sich beispielsweise durch das Vorhandensein von Globuli von einem verdächtigeren Wachstumsmuster unterscheiden, während bei älteren Patienten neu auftretende strukturelle Veränderungen besondere Aufmerksamkeit verdienen. Die Befunde könnten damit insbesondere bei der sequenziellen digitalen Dermatoskopie helfen, altersabhängige physiologische Veränderungen besser von Melanomhinweisen abzugrenzen. Aufgrund des explorativen Designs, der selektierten Hochrisikopopulation und der ausschließlich exzidierten verdächtigen Läsionen müssen die identifizierten Muster jedoch in unabhängigen Kohorten validiert werden, bevor daraus feste altersabhängige diagnostische Kriterien abgeleitet werden können.

Quelle:
J Dtsch Dermatol Ges. 2026 May 18. http://doi.org/10.1111/ddg.70243
Age-related dermatoscopic features of excised melanomas versus nevi in 832 high risk patients.
Burghaus-Zhang J, Winkler JK, Kommoss KS, Vollmer AS, Enk A, Buhl T, Haenssle HA.

Erstellt von Thomas Brinkmeier am 2026/09/08 08:37
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