Die spezifische Immuntherapie mit Hymenopterengift (Venom immunotherapy = VIT) schützt Patienten mit Insektengiftallergie vor potenziell lebensbedrohlichen anaphylaktischen Reaktionen. Für die Fortführung einer bereits etablierten VIT während der Schwangerschaft lagen bislang jedoch nur begrenzte Daten vor. Eine prospektive multizentrische Studie aus 14 italienischen Allergiezentren untersuchte 68 Frauen mit insgesamt 86 Schwangerschaften, die während einer laufenden und zuvor vertragenen Erhaltungstherapie schwanger wurden. Spontanaborte traten bei 11 Schwangerschaften (12,8 %) auf, Frühgeburten bei 6 Fällen (8,1 %); beide Häufigkeiten lagen nach Angaben der Autoren im Bereich der für die Allgemeinbevölkerung erwarteten Raten. Ein Zusammenhang mit Merkmalen der VIT ließ sich nicht feststellen. Während der Schwangerschaft wurde lediglich eine milde, selbstlimitierende Nebenwirkung der Immuntherapie dokumentiert. Fünf Frauen erlitten einen erneuten Hymenopterenstich; dabei trat nur eine ausgeprägte Lokalreaktion auf, während systemische allergische Reaktionen und nachfolgende Schwangerschaftskomplikationen ausblieben. Die Ergebnisse liefern damit wichtige prospektive Real-World-Daten dafür, dass eine bereits vor Eintritt der Schwangerschaft etablierte und gut verträgliche VIT in der Erhaltungsphase fortgeführt werden kann. Dies ist klinisch besonders relevant, da ein Absetzen den Schutz vor einer erneuten schweren Stichanaphylaxie vermindern könnte. Die Daten beziehen sich jedoch ausdrücklich auf die Fortführung einer bestehenden Erhaltungstherapie und sollten nicht als Beleg für die routinemäßige Neueinleitung oder Dosissteigerung einer VIT während der Schwangerschaft interpretiert werden. Aufgrund der begrenzten Kohortengröße können zudem seltene unerwünschte Schwangerschaftsausgänge nicht sicher ausgeschlossen werden.
Quelle:
Allergy. 2026 May 19. http://doi.org/10.1111/all.70386
Safety of Venom Immunotherapy in Pregnancy: A Multicentre Study.
Martini M, Sfriso G, Pravettoni V, Mauro M, Preziosi D, Vettorato F, Lucchini G, Pagani M, Badiu I, Dolcher MP, Gaeta F, Galati P, Meucci E, Pastorello E, Patella V, Pucci S, Roncallo C, Savi E, Simioni L, Bilò MB, Bonadonna P.