Bakterielle Besiedlung der Haut, insbesondere durch Staphylococcus aureus, wird bei Patienten mit primär kutanem T-Zell-Lymphom häufig beobachtet, ihre prognostische Bedeutung ist jedoch unklar. In einer retrospektiven Analyse von 113 Patienten, die über einen Zeitraum von 14 Jahren mittels Hautabstrichen untersucht wurden, evaluierten die Autoren Risikofaktoren für eine bakterielle Kolonisation und analysierten den Einfluss sowohl der Besiedlung als auch einer systemischen Antibiotikatherapie auf das Gesamtüberleben. Drei Viertel der Patienten wiesen eine bakterielle Hautkolonisation auf, wobei Staphylococcus aureus den größten Anteil ausmachte. Als stärkster unabhängiger Risikofaktor erwiesen sich ulzerierte Hautläsionen. In univariaten Analysen zeigten zudem fortgeschrittene Krankheitsstadien, das Vorliegen von Tumorläsionen, Erythrodermie sowie hämatologische Auffälligkeiten wie Lymphopenie und Eosinophilie eine Assoziation mit positiven Hautkulturen. In der multivariaten Überlebensanalyse ergab sich jedoch kein signifikanter Zusammenhang zwischen bakterieller oder Staphylococcus-aureus-Kolonisation und dem Gesamtüberleben. Ebenso führte eine kurzfristige systemische Antibiotikatherapie zu keiner messbaren Prognoseverbesserung. Die Daten aus dieser asiatischen Patientenkohorte sprechen somit gegen einen direkten Einfluss der bakteriellen Hautbesiedlung auf die Prognose des kutanen T-Zell-Lymphoms und stellen den routinemäßigen Einsatz systemischer Antibiotika ohne klare klinische Indikation infrage.
Quelle:
J Dtsch Dermatol Ges. 2025 Sep 19. http://doi.org/10.1111/ddg.15865.
Bacterial skin colonization and systemic antibiotic treatment in patients with cutaneous T-cell lymphoma.
Wang H, Li S, Wen Y, Chen Z, Lyu B, Wang Y, Sun J.