Daratumumab bei Rituximab-refraktärem Pemphigus: Plasmazell-Targeting als neue Therapieoption (NEWSBLOG 2026)

Zuletzt geändert von Thomas Brinkmeier am 2026/10/23 08:40

Daratumumab bei Rituximab-refraktärem Pemphigus: Plasmazell-Targeting als neue Therapieoption (NEWSBLOG 2026)

Rituximab in Kombination mit einer kurzfristigen systemischen Kortikosteroidtherapie ist heute eine zentrale Erstlinientherapie des Pemphigus. Ein Teil der Patienten spricht jedoch unzureichend an oder entwickelt Rezidive. Eine aktuelle Arbeit untersuchte Daratumumab, einen gegen CD38 gerichteten monoklonalen Antikörper mit Wirkung auf Plasmazellen, als therapeutischen Ansatz bei schwerem Rituximab-refraktärem Pemphigus.

Berichtet werden zwei Patienten mit lebensbedrohlichem Pemphigus, bei denen Rituximab und weitere Therapien keine ausreichende Krankheitskontrolle erreicht hatten. Immunologisch zeigte sich nach Rituximab eine unvollständige B-Zell-Depletion mit persistierenden Gedächtnis-B-Zellen und Plasmablasten. Unter Daratumumab kam es zu einer raschen klinischen Besserung, einer Depletion CD38-positiver Plasmazellen und einem Rückgang der Anti-Desmoglein-Antikörper.

Besonders interessant war der weitere Verlauf eines Patienten: Nach Absetzen von Daratumumab trat ein Rezidiv auf. Eine erneute Rituximab-Therapie blieb bei nachweisbaren Anti-Rituximab-Antikörpern wirkungslos. Erst die Kombination aus Daratumumab und dem gegen BAFF gerichteten Antikörper Belimumab führte zu einer anhaltenden kompletten Remission. Als möglicher Mechanismus wird eine komplementäre Wirkung diskutiert: Daratumumab eliminiert antikörperproduzierende CD38-positive Plasmazellen, während Belimumab die erneute Etablierung autoreaktiver B-Zell-Populationen hemmen könnte. Beim zweiten Patienten wurde die durch Daratumumab induzierte Remission anschließend durch Rituximab konsolidiert. Therapiebedingte unerwünschte Ereignisse wurden bei den beiden Patienten nicht beobachtet.

Die Beobachtungen sind auch pathogenetisch relevant. Rituximab richtet sich gegen CD20 und erfasst damit reife B-Zellen, nicht jedoch CD20-negative langlebige Plasmazellen. Bei persistierender Autoantikörperproduktion könnte die gezielte Eliminierung CD38-positiver Plasmazellen daher eine therapeutische Lücke schließen. Die Ergebnisse beruhen allerdings auf lediglich zwei Fällen und erlauben noch keine belastbare Aussage zu Wirksamkeit und Sicherheit. Daratumumab bleibt beim Pemphigus eine experimentelle Off-label-Strategie, könnte aber insbesondere bei schwerer Erkrankung mit Versagen einer konsequenten B-Zell-Depletion einen interessanten Rescue-Ansatz darstellen.

Quelle:
J Invest Dermatol. 2026 Jun 18. http://doi.org/10.1016/j.jid.2026.06.1274
Daratumumab as a therapeutic option for rituximab-recalcitrant pemphigus.
Maho-Vaillant M, Lefebvre A, Golinski ML, Calbo S, Lebourgeois L, Carrette M, Jouen F, Challamel C, Fazilleau N, Paul C, Joly P, Tedbirt B, Hébert V.

Erstellt von Thomas Brinkmeier am 2026/09/14 08:15
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