Eisenmangel wird meist im Zusammenhang mit Anämie betrachtet, könnte jedoch auch für die Entstehung und den Verlauf allergischer Erkrankungen von Bedeutung sein. Ein Taskforce-Report der European Academy of Allergy and Clinical Immunology (EAACI) fasst aktuelle Erkenntnisse zur Rolle des Eisenstoffwechsels bei Typ-2-vermittelten Erkrankungen zusammen. Eine unzureichende Eisenverfügbarkeit kann demnach die immunologische Homöostase verändern, Typ-2-Entzündungsreaktionen begünstigen, die IgE-Produktion steigern und Mastzellen sowie Eosinophile aktivieren. Gleichzeitig können regulatorische Makrophagen als zentrale Schaltstellen des Eisenrecyclings einen entzündlichen, Eisen zurückhaltenden Phänotyp entwickeln, wodurch sich Eisenmangel und gestörte Eisenverteilung gegenseitig verstärken könnten. Epidemiologische Daten zeigen, dass Eisenmangel bei Menschen mit allergischen Erkrankungen häufiger vorkommt. Eine geringe Eisenversorgung der Mutter während der Schwangerschaft beziehungsweise des Kindes in frühen Lebensphasen wurde zudem mit einem erhöhten Risiko für Ekzeme, Wheezing und Asthma in Verbindung gebracht. Auch Eliminationsdiäten, insbesondere der Verzicht auf Kuhmilch bei Nahrungsmittelallergien, können das Risiko eines Eisenmangels zusätzlich erhöhen. Nach Auswertung der Autoren gibt es darüber hinaus klinische Hinweise, dass eine Verbesserung des Eisenstatus durch Ernährung, Supplementierung oder Lebensmittelanreicherung mit niedrigeren IgE-Spiegeln, besserer Lungenfunktion und einer Besserung von Beschwerden bei Rhinitis, Urtikaria und Asthma einhergehen kann. Der Report rückt Eisenmangel damit als potenziell modifizierbaren Faktor atopischer Erkrankungen in den Fokus. Die vorliegenden Assoziationen bedeuten allerdings nicht, dass Eisen generell als antiallergische Therapie eingesetzt werden sollte. Vielmehr sprechen die Daten dafür, den Eisenstatus insbesondere bei Risikopatienten und restriktiver Ernährung gezielt zu berücksichtigen und einen nachgewiesenen Mangel adäquat zu behandeln.
Quelle:
Allergy. 2026 Apr 6. http://doi.org/10.1111/all.70325
Iron Physiology and Its Impact on Atopic Diseases: An EAACI Taskforce Report.
Roth-Walter F, Agache I, Cabanillas B, Canani RB, Comberiati P, Garn H, Gomez-Casado C, Hufnagl K, Khaleva E, Milani GP, Munblit D, Douladiris N, O'Mahony L, Redegeld F, Riggioni C, Smith PK, van Esch B, Vassilopoulou E, Venter C, Peroni DG.