Hochdosiertes Vitamin D bei kutanen Nebenwirkungen von Chemo- und Strahlentherapie (NEWSBLOG 2026)

Zuletzt geändert von Thomas Brinkmeier am 2026/10/31 08:08

Hochdosiertes Vitamin D bei kutanen Nebenwirkungen von Chemo- und Strahlentherapie (NEWSBLOG 2026)

Schwere kutane Nebenwirkungen einer Chemo- oder Strahlentherapie können eine Unterbrechung der onkologischen Behandlung erforderlich machen. Hochdosiertes Vitamin D wird aufgrund möglicher rascher immunmodulatorischer Effekte als unterstützende Therapie diskutiert. Eine multizentrische Fallserie untersuchte nun den Einsatz bei toxischem Erythem der Chemotherapie (TEC) und akuter Strahlendermatitis.

Ausgewertet wurden 33 Patienten aus drei akademischen Zentren, die zwischen Dezember 2021 und Januar 2024 eine oder zwei orale Einzeldosen von jeweils 100.000 I.E. Cholecalciferol oder Ergocalciferol erhalten hatten. Bei 28 Patienten (85 %) lag ein TEC, bei fünf (15 %) eine akute Strahlendermatitis vor.

Innerhalb von zehn Tagen berichteten 26 von 30 auswertbaren Patienten (87 %) über eine subjektive Besserung. Die mediane Zeit bis zur Verbesserung betrug fünf Tage, bei stationär behandelten Patienten drei Tage. Auch objektiv zeigte sich eine deutliche Abnahme der Hautentzündung: Der mittlere Erythem-Score auf einer fünfstufigen Likert-Skala sank von 4,36 zu Behandlungsbeginn auf 2,21 bis Tag 10.

Besonders rasche Verbesserungen wurden bei Patienten mit neutrophiler ekkriner Hidradenitis sowie Stevens-Johnson-Syndrom-/toxische-epidermale-Nekrolyse-ähnlichen Formen des TEC beobachtet. Klinisch relevant war zudem, dass 24 der 33 Patienten (73 %) ihre antineoplastische Therapie ohne Unterbrechung fortsetzen konnten.

Unter der hochdosierten Vitamin-D-Gabe wurden keine relevanten Veränderungen der Serum-Calciumkonzentration und keine behandlungsbedingten unerwünschten Ereignisse dokumentiert. Dies ist angesichts der ungewöhnlich hohen Einzeldosis von 100.000 I.E. bemerkenswert, erlaubt aufgrund der kleinen Fallzahl und der begrenzten Nachbeobachtung jedoch keine generelle Aussage zur Sicherheit einer solchen Dosierung.

Die Ergebnisse liefern ein interessantes Signal für eine einfach durchführbare supportive Therapie in der Onkodermatologie. Eine kausale Wirksamkeit lässt sich aus der retrospektiven Fallserie ohne Kontrollgruppe allerdings nicht ableiten. Insbesondere können Spontanverlauf, begleitende Therapiemaßnahmen und Veränderungen der onkologischen Behandlung die beobachtete Besserung beeinflusst haben. Kontrollierte prospektive Studien sind daher erforderlich, bevor hochdosiertes Vitamin D als Standardtherapie bei TEC oder akuter Strahlendermatitis empfohlen werden kann.

Quelle:
JAMA Dermatol. 2026 Jul 15. http://doi.org/10.1001/jamadermatol.2026.2267
High-Dose Oral Vitamin D for Toxic Effects of the Skin Associated With Chemotherapy and Radiation.
Patil MK, Sakunchotpanit G, Toulmin SA, Braun N, Milosavljevic S, Ezzeddine FL, Rohan TZ, Wyant WA, Guggina LM, Nambudiri VE, Iriarte C.

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