Rezidivnävi entstehen nach inkompletter Entfernung melanozytärer Nävi und können klinisch sowie dermatoskopisch ein Melanom imitieren. Im zitierten Paper werden zwei Patientinnen mit repigmentierten Läsionen nach vorausgegangener Exzision histologisch gesicherter dermaler Nävi beschrieben. In beiden Fällen zeigten die Läsionen initial auffällige dermatoskopische Kriterien wie asymmetrische Pigmentierung, periphere Globuli, radiale Streifen und irreguläre pigmentierte Netzwerke, wodurch differentialdiagnostisch insbesondere ein Melanom in Betracht gezogen wurde. Anstelle einer sofortigen Re-Exzision erfolgte eine sequenzielle digitale Verlaufskontrolle über sechs Monate. Im zeitlichen Verlauf zeigten sämtliche Läsionen stabile oder regressive Veränderungen mit homogenerer Pigmentierung, Rückbildung peripherer Strukturen und fehlender Größenzunahme, was mit benignem Verhalten vereinbar war. Die Autoren betonen, dass entzündliche und reparative Prozesse im Narbengewebe atypische dermatoskopische Muster verursachen können, ohne dass eine maligne Transformation vorliegt. Die sequenzielle Dermatoskopie erweitert die statische Einzelbeurteilung um eine zeitliche Komponente und ermöglicht dadurch eine differenziertere Abgrenzung zwischen aktiver Tumorproliferation und narbenassoziierter Repigmentierung. Der Ansatz könnte dazu beitragen, unnötige operative Eingriffe, chirurgische Morbidität und patientenbezogene Belastungen zu reduzieren, ohne die diagnostische Sicherheit zu beeinträchtigen.
Quelle:
Journal der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft http://doi.org/10.1111/ddg.70054
The Value of Sequential Dermoscopy in Avoiding Unnecessary Re-Excisions of Recurrent Nevi.
Ina Sotiri, Federico Venturi, Elisabetta Magnaterra, Leonardo Veneziano, Aurora Alessandrini, Monika Fida, Emi Dika.