Die Tinea capitis betrifft überwiegend Kinder und gehört weltweit zu den häufigsten Dermatophytosen im Kindesalter. Eine neue unter Federführung der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG) erarbeitete konsensbasierte Leitlinie berücksichtigt insbesondere die veränderte Erregerepidemiologie in Europa und gibt praxisorientierte Empfehlungen zu Diagnostik, Therapie und Infektionsprävention.
In den vergangenen Jahren hat sich das Erregerspektrum deutlich verändert. Migration, internationale Reisetätigkeit und sozioökonomische Faktoren tragen zu einer zunehmenden Bedeutung anthropophiler Dermatophyten bei. Besonders Trichophyton tonsurans und Trichophyton violaceum gewinnen in Europa an Bedeutung. Die Kenntnis des Erregers ist therapeutisch relevant, da die Wirksamkeit systemischer Antimykotika zwischen Trichophyton- und Microsporum/Nannizzia-Infektionen unterschiedlich ist.
Grundsätzlich empfiehlt die Leitlinie eine Kombination aus systemischer und topischer antimykotischer Behandlung. Eine alleinige Lokaltherapie ist bei Tinea capitis in der Regel nicht ausreichend, da die Infektion den Haarschaft und Haarfollikel betrifft. Die topische Therapie dient vor allem dazu, die Erregerlast und damit die Übertragungswahrscheinlichkeit zu reduzieren.
Bei Kindern soll die Auswahl des systemischen Antimykotikums möglichst am nachgewiesenen Erreger ausgerichtet werden. Bei Trichophyton-Infektionen wird vorzugsweise Terbinafin eingesetzt, bei Microsporum-/Nannizzia-Infektionen Itraconazol oder Griseofulvin. Terbinafin und Itraconazol werden bei pädiatrischer Tinea capitis off-label eingesetzt. Bei Erwachsenen empfiehlt die Leitlinie Terbinafin unabhängig von der Dermatophytenart als systemische Erstlinientherapie.
Von besonderer praktischer Bedeutung ist der infektiologische Ansatz der Leitlinie. Bei anthropophilen Erregern können asymptomatische Träger zur Aufrechterhaltung von Infektionsketten beitragen. Daher werden neben der Behandlung Erkrankter auch das Management asymptomatischer Kontaktpersonen beziehungsweise Carrier, geeignete Hygienemaßnahmen und strukturierte Maßnahmen bei Ausbrüchen in Gemeinschaftseinrichtungen berücksichtigt. Dies ist insbesondere bei T. tonsurans relevant, da der Erreger beispielsweise innerhalb von Familien, Schulen, Kindertagesstätten oder im Rahmen enger körperlicher Kontakte weitergegeben werden kann.
Die neue Leitlinie unterstreicht damit einen Paradigmenwechsel von der rein klinisch orientierten Behandlung hin zu einem erregerspezifischen und epidemiologisch ausgerichteten Management. Für die Praxis sind insbesondere drei Punkte entscheidend: möglichst zuverlässige Erregerdiagnostik, systemische Therapie mit Auswahl des Antimykotikums anhand der Dermatophytenart und konsequente Unterbrechung möglicher Infektionsketten.
Quelle:
J Dtsch Dermatol Ges. 2026 Jul 14. http://doi.org/10.1111/ddg.70395x
Consensus-based Guideline on tinea capitis.
Mayser P, Abeck D, Bosshard PP, Brasch J, Daeschlein G, Effendy I, Gräser Y, Höger P, Huynh J, Kinberger M, Kolb-Mäurer A, Langen KA, Malisiewicz B, Nast A, Ott H, Pelzer C, Reinel D, Schaller M, Uhrlaß S, Nenoff P.