Trichophyton indotineae: zunehmende Terbinafinresistenz verändert Diagnostik und Therapie der Tinea (NEWSBLOG 2026)

Zuletzt geändert von Thomas Brinkmeier am 2026/09/14 06:09

Trichophyton indotineae: zunehmende Terbinafinresistenz verändert Diagnostik und Therapie der Tinea (NEWSBLOG 2026)

Trichophyton indotineae hat sich innerhalb weniger Jahre von einem regional beobachteten Erreger zu einer international relevanten Ursache schwer behandelbarer Dermatophytosen entwickelt. Der früher als Trichophyton-mentagrophytes-Genotyp VIII bezeichnete Dermatophyt gilt inzwischen als wesentlicher Treiber antimykotischer Therapieversager. Klinisch können Infektionen einer klassischen Tinea entsprechen, aber auch Ekzeme, Psoriasis und andere entzündliche Dermatosen imitieren. Häufig besteht ausgeprägter Pruritus; problematisch ist insbesondere die vorausgegangene oder fortgesetzte Anwendung topischer Kortikosteroide, teilweise in Kombination mit Antimykotika und Antibiotika, wodurch das klinische Bild zusätzlich verändert werden kann. Besondere therapeutische Relevanz besitzt die häufige Resistenz gegenüber Terbinafin, das bei konventionellen Dermatophytosen lange als orale Erstlinientherapie galt. Bei T. indotineae wird inzwischen Itraconazol als bevorzugte systemische Therapie angesehen, wobei häufig längere Behandlungszeiten und höhere Dosierungen als bei gewöhnlichen Dermatophytosen erforderlich sind. Fluconazol und Griseofulvin zeigen dagegen eine begrenzte Wirksamkeit. Bei therapierefraktären Dermatophytosen gewinnt daher die exakte Erregeridentifikation zunehmend an Bedeutung; auch eine antimykotische Empfindlichkeitstestung kann die Therapieentscheidung unterstützen, ist für Dermatophyten bislang jedoch nicht ausreichend standardisiert. Der Review unterstreicht, dass bei ausgedehnten, ungewöhnlich entzündlichen oder trotz adäquater Therapie persistierenden Tineaformen an T. indotineae gedacht werden sollte. Neben einer verbesserten Diagnostik werden ein zurückhaltender Umgang mit ungeeigneten Steroid-Antimykotika-Kombinationen und ein gezielter Einsatz systemischer Antimykotika entscheidend sein, um die weitere Selektion und Ausbreitung resistenter Dermatophyten zu begrenzen.

Quelle:
Am J Clin Dermatol. 2026 May 28. http://doi.org/10.1007/s40257-026-01042-1
Trichophyton indotineae: Rise, Diagnosis, Treatment, and Future Directions.
Cox VRV, Zuluaga T, Gupta AK, Lipner SR, Saunte DML, Nenoff P, Galili E, Khurana A, Elewski B, Jabet A, Caplan AS.

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